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Die Sprache hat in Deutschland kaum Fürsprecher. Ganz bestimmt nicht da, wo man ihre Unterstützung von Amts wegen vermuten könnte. So der Deutsche Bundestag, die Regierung oder die vom Staat geförderten Institutionen. Es gibt da viele Stellen, die genau das Gegenteil tun: Sie tragen zur Primitivisierung nicht aber zur Förderung der Sprache bei, die langfristig einer der Hauptgaranten für die Kultur und Entwicklung eines Volkes ist.
Anbei ein Schriftwechsel mit dem Deutschen Bundestag der heute, im Jahre 2003, aktueller ist den je
.



Der Deutsche Bundestag und die deutsche Sprache


 

Nicht einer in unserem Land stellt sich die Frage, warum ein so wichtiges Kulturgut, die Sprache so wenig oder besser, so wenig könnende Fürsprecher hat. Ich wollte darauf eine Antwort haben und schrieb im Mai vorigen Jahres an den Deutschen Bundestag.
Aus meinem Schreiben an den Bundestag, Auszüge:

>>> ...um es ganz einfach zu formulieren: die mir vom Grundgesetz zugesagten Rechte, keine Benachteiligung  wegen Rasse, Abstammung oder Sprache, werden durch all die angesprochenen Institutionen (öffentlich-rechtlichesRadio, Fernsehen) massiv verletzt! ... <<<
und weiter:
>>> Das Schlimmste aber: es scheint so, daß dies niemanden in unserer Bundesrepublik interessiert. Die Gesellschaft für Deutsche Sprache kassiert zwar Geld, aber nur um die "Phänomene" der Sprache begleitend zu dokumentieren. Nicht aber  um einzugreifen und dem Wahnsinn mit der Wandlung der Sprache zur Primitivität ein Ende zu machen. ...
Also meine Frage an Sie, sehr geehrte Damen und Herren des Deutschen Bundestages: Wer in unserem Land kümmert sich um das hervorragenste Merkmal jeder Nation, um unsere Sprache? Oder ist das ein zu unwichtiges Thema für den Bundestag? Vielleicht gibt es einzelne Abgeordnete die sich angesprochen fühlen? <<<

Wie voraussehbar bei dieser komplizierten Fragestellung irrte das Schreiben einige Monate durch diese Institution um endlich im Petitionsausschuß (verantwortlich für an den D.B. gerichteten Bitten und Beschwerden - Art. 17, 45c des GG) zu landen. Von diesem bekam ich im November 99 eine Benachrichtigung in der mir mitgeteilt wurde, daß der Ausschußdienst des Petitionsauschusses zum Ergebnis kam, daß meine, hier schon "Petition", erfolglos bleiben wird, weil doch die Bundesregierung "kaum gesetzgeberische Einflußmöglichkeiten auf die deutsche Sprache hat". Hier stützt man sich auf eine Stellungsnahme des "Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien".

Hier seine Stellungsnahme:

Die Bundesregierung verfolgt aufmerksam die öffentliche Diskussion um die deutsche Sprache. Auch stellt die Bundesregierung im Rahmen ihrer Kulturpolitik erhebliche Mittel zur Verfügung, um das Andenken und das Werk der deutschen Literatur zu bewahren und fortzuentwickeln.
Hierzu gehört nicht nur die Pflege des literarischen Erbes, sondern auch die Befassung mit der Alltags- und Gegenwartssprache. So fördert die Bundesregierung zum Beispiel die Arbeit der "Gesellschaft für deutsche Sprache", die in vielfältiger Weise zur Sprachbildung, der deutschen Sprachkultur beiträgt. Entgegen der Auffassung des Petenten thematisiert die Gesellschaft für deutsche Sprache auch die Verwendung von Anglismen und Fremdwörtern und begnügt sich nicht damit, diesen Bereich lediglich "begleitend zu dokumentieren".
Im übrigen ist die Bundesregierung der Auffassung, dass Sprache kein starres Gebilde ist, sondern sich immer in Bewegung, in Entwicklung befindet. Entsprechend hat die deutsche Sprache immer wieder Wörter aus andern Sprachkulturen aufgenommen. In diesem Sinne bereichern Fremdwörter auch den deutschen Wortschatz, sind Ausdruck einer weltoffenen Gesellschaft, die sich den Veränderungen der Welt, dem Zusammenrücken von Handel und Gewerbe, dem Austausch von Kultur, offen und selbstbewusst stellt.
Hinzu kommt, dass die Bundesregierung im Bereich der Sprache keine gesetzgeberischen, also keine regelnden Kompetenzen hat. Lediglich für den Bereich der Behördensprache des Bundes kann sie für die Bundesbehörden Bestimmungen treffen. Für den Bereich der Schulen haben die Länder Reglungskompetenzen. Der übrige weite Bereich der deutschen Sprache wird nicht von staatlichen Stellen bestimmt. In diesem Sinne hat sich das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 14.Juli 1998 - 1 BvR 1640/97 - deutlich geäußert.
Deshalb kommen Reglementierungen durch die Bundesregierung nach der deutschen Rechtsordnung nicht in Betracht.
Letzlich ist somit jeder für sich in seinem persönlichen Bereich gefordert, mit der deutschen Sprache sorgfältig umzugehen.
               Im Auftrag   Dr. Nevermann

Natürlich konnte ich die Sache so nicht auf sich beruhen lassen. Deswegen wandte ich mich erneut an den Petitionsausschuß.
Hier wieder Auszüge aus meinem Schreiben:

>>> ...mein Schreiben war an den Deutschen Bundestag, das Gremium der Volksvertreter gerichtet. Es kann doch nicht sein, das keines der Bundestagmitglieder diese Problem nicht sieht, sich darüber keine Gedanken macht.
...daß es keine Möglichkeiten gibt, den einzelnen Mitgliedern meine Anfrage vorzulegen, sie auf irgendeine Weise auf dieses Thema aufmerksam zu machen. In den Steinzeiten der Informationstechnik gab es ein schwarzes Brett...
Dann noch meine Anmerkungen zu der überhaupt nicht zufriedenstellenden, weil willkürlich redigierten Antwort des Beauftragten... ...Da sind Floskeln und Tatsachen miteinander vermischt, der Informationsgehalt für mich fast Null.
... Ich wollte Menschen, persönlich,  ansprechen.
... Also wie Sie aus meinen Worten bestimmt schon ersehen haben, möchte ich dem Abschluß des Verfahrens in dieser Phase widersprechen. <<<

Mit Erfolg, denn 6 Monate später: der Deutsche Bundestag hat Ihre Petition beraten und am 8.6.2000 beschlossen: Das Petitionsverfahren abzuschließen.

Natürlich mit einer (stellenweise lesenswerten) Begründung:

Mit der Petition werden gesetzliche Maßnahmen zur Eindämmung des Gebrauchs fremdsprachlicher Ausdrücke im Deutschen angeregt.
Dem Petitionsausschuß liegen zu diesem Thema mehrere zielgleiche Eingaben vor, die einer gemeinsamen parlamentarischen Prüfung unterzogen werden. Es wird um Verständnis gebeten, dass in diesem Zusammenhang nicht auf alle vorgetragenen Gesichtspunkte gesondert eingegangen werden kann.
Das Ergebnis der parlamentarischen Überprüfung lässt sich unter Einbeziehung von Stellungsnahmen des Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und Medien wie folgt zusammenfassen:
Sprache ist kein statisches Gebilde, sondern als Mittel der täglichen Kommunikation einem ständigen Wandel unterworfen, der der gesellschaftlichen Entwicklung folgt und letztlich auf einer gemeinsamen Übereinkunft der Bevölkerung beruht. Der Gebrauch von Fremdwörten in der deutschen Alltagssprache ist nach Überzeugung des Petitionsauschusses Ausdruck und Folge einer selbstbewussten ökonomischen und kulturellen Öffnung der nationalen Gesellschaft sowie einer zunehmenden Globalisierung in vielen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens.Der Ausschuss teilt jedoch die in der Stellungsnahme zum Ausdruck gebrachte Auffassung, dass diese Entwicklung nicht zwangsläufig zu einer Verarmung des deutschen Wortschatzes führt, wie der Petent befürchtet, sondern dort, wo deutsche Entsprechungen fehlen, auch zu dessen Bereicherung beiträgt.
Dies schließt aktive staatliche Maßnahmen zur Förderung der deutschen Sprachkultur nicht aus. Aus der Stellungsnahme des Kulturbeauftragten der Bundesregierung geht hervor, dass die Bundesregierung die öffentliche Diskussion über die deutsche Sprache aufmerksam verfolgt und im Rahmen ihrer Kulturpolitik auch für die Befassung mit der deutschen Alltags- und Gegenwartssprache erhebliche Geldmittel bereitstellt. Auf diese Weise trägt sie aus parlamentarischer Sicht in angemessenem Umfang zum Erhalt und zur Förderung der deutschen Sprachkultur bei.
Demgegenüber entziehen sich die Sprache und ihr Gebrauch weitestgehend der gesetzgeberischen Regelungskompetenz des Bundes und der Länder. Die hat der Deutsche Bundestag bereits in einem Beschluß zur Rechtschreibereform vom 26.3.1998 (BT-Drucksache 13/10183) zum Ausdruck gebracht. Auch das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil vom 14.7.1998 (1 BvR 1640/97) zu Recht darauf hingewiesen, dass die Sprache sich im gesellschaftlichen Gebrauch selbst entwickele und nicht aus einer staatlichen Quelle fließe. Gesetzliche Bestimmungen zum Sprachgebrauch können daher nach Ansicht des Petitionsausschusses lediglich für den eng begrenzten Teilbereich der Amts- und  Behördensprache getroffen werden. Dies hat der Kulturbeauftragte in seiner Stellungsnahme zutreffend hervorgehoben.
Vor dem dargelegten Hintergrund können gesetzgeberische Maßnahmen, wie sie mit der Petition angestrebt werden, nicht in Aussicht gestellt werden. Der Ausschuss empfiehlt daher, das Petitionsverfahren abzuschließen.

Das war's also. Wie halt bei Behörden, öfters daneben.

Juli 2000
 
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Teil 2    -   Schreiben vom 21.1.2001

                                          An den

                                                        Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages
 

Betr.: Deutsche Sprache

    Sie scheint ein unendliches Thema zu sein. Vor allem deswegen, weil die Benachteiligung eines durchschnittlichen Bürgers durch die mit Amerikanismen durchsetzte Sprache weiterhin angestiegen ist. Trotz zweckoptimistischer Behauptungen des Petitionsauschusses und des Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien von denen mein vor zwei Jahren geäußertes Anliegen um einen Schutz der Sprache mehr oder weniger negativ beurteilt wurde.
   Ich stehe zunehmend vor Problemen: Vertreter der Bundesregierung, das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften gebrauchen einen Wortschatz, der jemandem ohne Kenntnis der englischen Sprache nur noch selten komplette Inhalte vermitteln kann. Ich muß hier nicht das Grundgesetz zitieren um zu veranschaulichen, daß in diesen Fällen dagegen verstoßen wird.
Deswegen möchte ich hier Ihre damaligen Aussagen (und auch die des Bundesbeauftragten) zitieren:

... Hinzu kommt, dass die Bundesregierung im Bereich der Sprache keine gesetzgeberischen, also keine regelnden Kompetenzen hat. Lediglich für den Bereich der Behördensprache des Bundes kann sie für die Bundesbehörden Bestimmungen treffen. ...  und:
... Gesetzliche Bestimmungen zum Sprachgebrauch können daher nach Ansicht des Petitionsausschusses lediglich für den eng begrenzten Teilbereich der Amts- und  Behördensprache getroffen werden. ....

und Sie fragen, warum nichts dergleichen geschieht und wie der Deutsche Bundestag das Problem des alltäglichen Sprachgebrauches von Regierungsmitgliedern oder anderen hochgestellten Persönlichkeiten aus deren direktem Umfeld sieht? Ich finde es als einen Skandal, wenn man so etwas liest:

... Deshalb startete das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung am 16. Januar 2001 einen bundesweiten Namenwettbewerb unter dem Motto "Name it - Win it". ...

Wie bitte soll ich das verstehen? Oder wenn z.B. Fr. Bulmahn in den VDI-Nachrichten (12.1.2001) von  "Notebook-University" oder "distance-learning" spricht
oder wenn man das "moderne" Gehabe des ZDF beobachtet, wenn dort oder in der ARD die Fremdwörter allgegenwärtig sind und z.B. die Nachrichtensprecherin die Buchstabenfolge "mnsbc":  regelmäßig "emenesbisi" ausspricht? Was verbirgt sich hinter solchen Verlautbarungen des Presseamtes, solchen Aussagen einer Ministerin, einer Nachrichtensprecherin?
Ich lasse das hier unbeantwortet.

Der Deutsche Bundestag ist der Meinung, daß die deutsche Sprache in guten Händen ist, daß alles Notwendige für sie getan wird:

... dass die Bundesregierung die öffentliche Diskussion über die deutsche Sprache aufmerksam verfolgt und im Rahmen ihrer Kulturpolitik auch für die Befassung mit der deutschen Alltags- und Gegenwartssprache erhebliche Geldmittel bereitstellt. Auf diese Weise trägt sie aus parlamentarischer Sicht in angemessenem Umfang zum Erhalt und zur Förderung der deutschen Sprachkultur bei. ...

Dem ist aus meiner Sicht nicht so. Meine Beobachtungen und allgemein bekannte Fakten sagen da etwas ganz anderes: Schließung von Goethe-Instituten, Kürzung der Mittel für die Kultur allgemein und das bequeme "Sich-heraushalten" aus der Verantwortung für die Sprache:

...für den Bereich der Behördensprache des Bundes kann sie für die Bundesbehörden Bestimmungen treffen. Für den Bereich der Schulen haben die Länder Reglungskompetenzen. ...

Von dort aber wird die Verantwortung weiter verschoben. Hin zu Kultusministerkonferenzen und zur Verantwortung jedes Einzelnen. Die Effekte sind bekannt, nicht zuletzt ist es die Katastrophe um die "Rechtschreibereform". Ohne Nutzen für Ottonormalverbraucher - mit immensem Gewinn für die selbsternannten Hüter der Sprache im Wörterbuchbereich. Eine Katastrophe auch für alle Deutschsprechenden und -lernenden im Ausland.

Das alles aber ist kein Grund für Aktivitäten unseres Bundestages, unserer Regierung? Ich bitte um Erklärung!

Warum dann pflegen unsere direkten, kleineren Nachbaren ein ganz anderes Verhältnis zur Sprache? Warum können sie die Sprache als den wichtigsten Bestandteil ihrer Kultur betrachten? Wir aber nicht?  Ich denke da nicht einmal an ein Gesetz - dafür sind die Deutschen heute noch viel zu verkrampft. Aber eine   unabhängige, für die Sprache tonangebende Institution in Regierungsnähe, jemand der auch der Regierung und unseren Volksvertretern auf die Sprünge helfen könnte ? 
Warum gibt es bei uns keine "Academie Francaise" oder "Rada Jezyka Polskiego"?

 
                                                                            Mit freundlichen Grüßen
 
 
 

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Die Antwort des Petitionsausschusses vom 22.2.2001.

Bezug: Ihr Schreiben vom 21.1.2001

Sehr geehrter Herr Mosler,

hiermit bestätige ich den Eingang Ihres o.a. Schreibens.

Ich habe Verständnis dafür, dass das Ergebnis der parlamentarischen Prüfung Sie nicht zufriedenstellt. Sie können aber davon ausgehen, dass die Problematik sorgfältig und unbeeinflusst von sachfremden Erwägungen geprüft worden ist.

Artikel 17 des Grundgesetzes gewährt jedem Bürger in gleicher Sache nur das Recht auf einmalige Prüfung. Da Ihr weiteres Schreiben keine entscheidungserheblichen Tatsachen oder Gesichtspunkte enthält, besteht kein Anspruch mehr auf eine erneute sachliche Prüfung. Ich bitte dafür um Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag     (Wolfgang Dierig)

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Womit die Angelegenheit geklärt scheint...



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