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Eine Betrachtung zur Sprache in D, Pl und F.

Es stimmt schon nachdenklich, wenn man die Mentalität der Deutschen in Sachen Muttersprache mit der seiner Nachbaren vergleicht.

Für die Franzosen ist der Schutz der Sprache, ihre Wahrung, eine seit Jahrhunderten praktizierte Wirklichkeit. Immer wieder war auch die Sprache ein Objekt gesetzgeberischer Tätigkeiten.
Die Letzte, das Gesetz zum Schutz der Sprache, stammt aus dem Jahre 1994. Es regelt ganz selbsverständlich all das, was mit dem Gebrauch der Sprache und ihrem Schutz vor Verstümmelung und Primitivierung zu tun hat.
Es greift in alle Gebiete des öffentlichen Sprachgebrauches in Frankreich ein.

Ähnlich in Polen. Dort gab es zwar schon länger einen, bei der Akademie für Wissenschaften angesiedelten, Rat für die polnische Sprache. Aber  erst das im Jahre 1999 verabschiedete Gesetz zum Schutz der polnischen Sprache, brachte den Durchbruch zur Möglichkeit der aktiven Wahrung und Mitgestaltung der polnischen Sprache.
Bemerkenswert ist die Motivation für die Einführung des Gesetzes: Hier werden Gründe der nationalen Identität im stattfindenden Globalisierungsprozeß und der Sprache als eigenständigem Kulturgut im kulturvielfältigen Europa angeführt.

Anders in  Deutschland. Das Grundgesetz berührt die Sprachenproblematik nur ansatzweise. Für viele Menschen gibt es keine der in F oder Pl durch das Gesetz angesprochenen Motivationen. Im Gegenteil,  es gibt Auffassungen über die Verwerflichkeit jeglicher sprachwahrender Aktivitäten. Viele Menschen stehen der Unsitte der Sprachenvermischung passiv gegenüber. Andere wiederholen Meinungen von wirtschaftlich orientierten Interessenvertretungen über die Notwendigkeit des Gebrauches von fremden Termini. Alles im Einzelnen natürlich widerlegbare Argumente.

Bedrückend ist diese ganze Atmosphäre rund um die Sprache in Deutschland. Fehlendes Selbstbewußtsein, Vorbildsuche, Passivität, Imponier- und Nachahmungsbedürfnis, Herdeninstinkt (also nicht auffallen),  und auch ein Versuch der Vergangenheitsbewältigung sind die Hauptursachen dieses Zustandes.
Und es verwundert, daß diese Gegebenheiten bei unseren Nachbarn anscheinend nicht aktuell sind.


März 2000

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