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Antworten auf häufig gestellte Fragen

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Stichwörter:

Bereicherung der Sprache  -- Betriebssprache  -- Deutschtümelei  -- Dummdeutsch  -- EDV-Sprache  -- Englisch kürzer  -- Englisch verständlicher  -- Französisches Sprachengesetz  -- Globalisierungszwänge  -- Fremdwörter als Gefahr  -- Forum zum Thema Sprache  -- Herdeninstinkt  -- Imponiergehabe  -- Internationale Unternehmensausrichtung  -- Internationalisierungsbestreben  -- Kolonisierung  -- Lächerlichkeit   -- Lehnwortassimilation   -- Netzsitten  -- Nichtenglische Fremdwörter  -- Personen  -- Produktnamen  -- Schimpansensprache  -- Sinn der Wahrung  -- Sprache und Kultur  -- Sprachenisolierung  -- Sprachenchauvinismus  -- Sprachenvereinheitlichung  -- Sprachenvielfalt  -- Sprachverhunzung oder Lobbyarbeit  -- Technische Termini  -- Ursachen des Fremdwörtergebrauchs  -- Vergangenheitsbewältigung  -- Verteidigungsrecht  -- Vorbildsuche  -- Weltsprache  -- Willkürlichkeit  -- Wörterlisten  -- VWDS/VDS

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Verein Deutsche Sprache - vormals: Verein zur Wahrung der deutschen Sprache


Der Verein möchte der Überfremdung der deutschen Sprache durch angloamerikanische Wörter und Wendungen entgegenwirken.
Ausführlicheres in den Leitlinien unter: http://www.vds-ev.de/index.html

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Hat ein Verein das Recht zur Verteidigung der Sprache?

Eigentlich hat jeder Bürger das Recht, sich für die Sprache einzusetzen. Dabei geht es um keine "Reinhaltung der Sprache" wie manche Kritiker der Vereine es gerne darstellen. Es geht um den Schutz der Sprache vor einer Überflutung mit vielen unnötigen Fremdwörten, die die Verständlichkeit und Aussagekraft der Sprache verringern, die ihren Tiefencode störend beeinflussen. Wenn z.B. ein Wort eingeführt wird, das 2, 3 oder mehr verschiedene Wörter ersetzt, dann bedeutet das, daß seine Aussagekraft geringer ist. (Hülsenwörter) Wegen fehlender Instanzen, die diesem Phänomen entgegenwirken, haben sich Bürger zu Initiativen oder Vereinen zusammengeschlossen.

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Bereicherung der Sprache durch Fremdwörter?

Dies ist ein immer wieder gebrauchtes Argument für heimische Sprachverschandler. Sie verweisen auf die Vergangenheit,  die Importe aus dem Griechischen, Lateinischen und Französischen. Diese haben unsere Sprache im Endeffekt tatsächlich bereichert, aber nur, weil sie natürlich bedingt und mengenmäßig überschaubar waren.
Womöglich waren auch sie anfänglich keine echte Bereicherung und wurden es erst im Laufe der Zeit durch Begriffsspezialisierungen und -abstufungen.
Anders verhält es sich heute bei der anhaltenden Überflutung unserer Sprache, Kultur und gesellschaftlicher Strukturen mit amerikanischen Wörtern, pseudoenglischen Bennenungen, Modeerscheinungen und den Umbenennungen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens.
Dies bringt neben der Unverständlichkeit einzelner Wörter aber noch schlimmere Folgen für die Sprache, nämlich:
Verdrängung altbekannter, heimischer Begriffe; Einbringung fremder grammatikalischer Strukturen; Verarmung und Lähmung der Ausdrucksmöglichkeiten; Unsicherheiten bei der Schreibweise und der Aussprache, Verbreitung von wenigsagenden Hülsenworten; Vernichtung althergebrachter Wörter und vieles mehr. (Siehe auch: Hülsenwörter)
Die verheerenden Folgen der heutigen Sprachverhunzung durch "die Sprache bereichernde Fremdwörter" ist unter diesen Umständen eine gefährliche Illusion. Die Überzeugung oder gar Verbreitung solcher Argumente dient ganz anderen Zwecken: Sie ist ein für viele nicht offensichtliches Instrument der Versklavung einer Sprachgemeinschaft. Durch Verarmung der Sprache zur Primitivisierung der Bedürfnisse oder anders: Wer sich nicht mehr artikulieren kann wird auch mit all dem zufrieden sein was man ihm vorsetzt.

Und noch einige aufklärende Worte zur heutigen "Bereicherung" unserer Sprache von Johannes Rau:
"...Der inflationäre Gebrauch von Amerikanismen in der Werbung und in den Medien, aber auch in den Veröffentlichungen vieler Unternehmen und Behörden, soll Fortschrittlichkeit und Modernität signalisieren. Tatsächlich aber ist er oft ein Hinweis auf die Verarmung der Ausdrucksfähigkeit in der eigenen Sprache..." (Aus der Ansprache auf dem Kongress "Gutenbergs Folgen", 23.11.2000).

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Ist "Wahrung" das richtige Wort?

"Wahrung" --> auch Behauptung, Sicherung oder Wahren. Dieses Wort im Namen eines Sprachvereins?
Wird dieses Wort heute zu Unrecht als konservativ oder andersweitig negativ belastet angesehen? Ja, möchte ich behaupten. So wie viele andere, grundbrave Wörter unserer Sprache in der Zeit nach der braunen Vergangenheit in Verruf geraten sind, so wurde auch diesem Wort im Namen der heutigen politischen Korrektheit seine Daseinsberechtigung entzogen.

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Die Sprache der EDV ist Englisch?

Diese Frage wird von den meisten Deutschen bejaht.
Trotzdem das in vieler Hinsicht nicht der Wahrheit entspricht: Ob wir nun auf die Geschichte der EDV, die Möglichkeiten der deutschen Sprache oder auch die Kommunikationsbedürfnisse zwischen EDV und deutschen Nutzern schauen, überall können gewichtige Gegenargumente angeführt werden.

Geschichte - Womöglich wissen nur wenige Befürworter der englischen Sprache, daß der Rechenautomat, der Rechner   schon in den 40er Jahren nicht im Lande des "Computers", sondern in Deutschland durch Karl Zuse erfunden wurde und mit ihm wurden auch die ersten EDV-Begriffe kreiert, deutsche EDV-Begriffe. Es ist nur natürlich daß  diese Begriffe alsbald auch ihre englischen Entsprechungen fanden. Die Behauptung also, daß deutsche Sprachwahrer jetzt krampfhaft versuchen englische Termini zu verdeutschen ist also in den allermeisten Fällen falsch. Sie versuchen nur, selbsterklärende, präzise oder auch vergessene Wörter wieder hoffähig zu machen. Im Interesse der Informatik und der Deutschsprachler. Denn nur allzu oft beschreibt das "originale", angloamerikanische Wort einen Begriff nur schwammig oder entspringt dem US-amerikanischen Informatikjargon. Hier wären wir also bei den

Möglichkeiten der deutschsprachigen Benennung von EDV-Begriffen.
RAM - random access memory, hat aber trotzdem nichts mit Zufall zu tun. Direktzugriffsspeicher trifft da den Kern der Sache deutlich besser.
Server - ein mehrdeutiger Begriff, darunter kann man einen Dienstrechner, aber auch bestimmte Programme verstehen. Der Dienstrechner erbringt Dienstleistungen für andere Rechner, er hält für sie Daten bereit.
e-mail - ein Begriff der im deutschen Sprachgebrauch gleichzeitig die Einrichtung: Netzpost und seine Produkte: den (elektronischen) Brief, die (e-)Nachricht, den Netzbrief umschreibt.
Und noch einige Beispiele, direkt aus der Wörterliste:
home-site - Netzsitz, Vitrine, Netzpräsenz, Heimatsplatz, Netzplatz
site -  Stelle, Platz, Fundstätte, Statt, Standort, Sitz,  WWW-"Knoten"
homepage  - Leitseite, Hauptseite, persönliche Seite, Stammseite Heimatseite, Urseite, Startseite
owner  -  Besitzer, Eigentümer, Halter, Inhaber, Eigner
provider -  Anbieter, Versorger, Netzzugangsdienst, Netzanbieter, Zugangsanbieter
to save - sichern, schützen, speichern, schreiben
update -  Aktualisierung, Neufassung, Neubearbeitung, Neuauflage
um nur einige, wenige zu nennen. Der Vorteil für eine deutschsprachige Benennung macht sich mehrfach bezahlt:  dem einzelnen Menschen hilft er durch Assoziationen präziser verstehen, der Informatik in Deutschland womöglich zu einem neuen Aufschwung. So sagt auch Klaus Däßler:

Es sollte uns Deutschen erlaubt sein, Fachsprachen auf der Basis unserer eigenen Muttersprache zu verwenden. Sonst erleidet unsere kommunikative Kompetenz schweren Schaden, wie man aus der Entwicklung der deutschen Informatik ablesen kann. Vor etwa 20 Jahren noch eine Welt-Spitzen-Informatik, obwohl keiner ständig mit amerikanistischen Brocken herumwarf; heute: obwohl alles Pseudo-Amerikanisch daherschnackt, ZWEITKLASSIG. Eben AUCH, weil sie ihre Sprache aufgegeben hat.

Wobei wir bei der
Kommunikation zwischen Nutzer und EDV wären. Die Anzahl der in die EDV eingeschleusten fremdsprachigen Begriffe hat wohl das erste Tausend überschritten, eine Anzahl von Wörtern mit der eine primitive Sprache schon auskommt. Nicht verwunderlich also, wenn manche Möchtegern-Informatiker für die Wahrung ihrer "Exklusivität" sich dieser Sprache bedienen um sich so von den gewöhnlichen Sterblichen zu distanzieren. Deutlich kann man das bei Linux, dem nichtproprietären Betriebssystem und seinen Komponenten beobachten. (Fast) jeder deutsche Programmierer gibt seiner Arbeit erst einmal einen englischen Namen, erstellt die zu verschiedenen Programmteilen gehörenden Kommentare, Hilfen und Anleitungen grundsätzlich in einer englischnahen Sprache und läßt sich selten dazu herab, dies in Deutsch zu tun. Ähnliche Einstellungen trifft man sogar bei  professionellen Arbeiten für Vertreiber von Linuxkomponenten. Grundsätzlich aber erlauben erst die in Programmteile eingeflochtenen Kommentare dem Anwender eine schöpferische und effektive Nutzung dieser Programme, eine Tätigkeit die gerade bei Linux eine fundamentale Bedeutung hat. Und womöglich ist das der Grund, daß die Zahl der Linuxanwender immer noch begrenzt ist. Trotz der enormen Vorteile dieses Betriebssystems. Ein Auszug aus einer Antwort Klaus Däßlers scheint diese Zusammenhänge zu bestätigen:

Muttersprache und Informatiksprache
Sie behaupten, es sei besser, bei bestimmten EDV-Begriffen, für die es von vornherein keine deutsche Bezeichnung gäbe (welche sind das, ich kenne keine?), die originalen angelsächsischen Bezeichnungen zu verwenden. Damit plädieren Sie für eine Entmuttersprachlichung der deutschen Informatik. Nun - den Effekt, den wir damit erzielen, haben wir schon, absolute Zweitklassigkeit der deutschen Informatik seit ca. 1992. Vorher, wo die deutsche Informatik zu den führenden in der Welt gehörte, verwendete man in Fachkreisen nur wenige amerikanische Fachworte (als ich 1980 das Siemens-Pascal-Projekt übernahm, war "OK" das einzige weitverbreitete US-Informatik-Wort).

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Globalisierungszwänge?

 Ist ein oft zu Unrecht gebrauchtes Argument für die Einführung von Fremdwörtern in die Sprache. Denn Globalisierung ist keine Errungenschaft der letzten Jahre, sondern eine natürliche Erscheinung im Industriezeitalter. Eine ihrer Grundregeln lautet dabei: Global denken, aber lokal handeln oder auch anders: Globalisierung beinhaltet Lokalisierung.
Trotzdem gab es in der Industrie, dem Dienstleistungsgewerbe, ja sogar staatlichen Einrichtungen in Deutschland
niemals vorher  diesen Hang zur krankhaften Überflutung einer funktionierenden  Sprache mit Fremdwörtern im Bereich der innerbetrieblichen Kommunikation, Organisation und Werbung. Und damit eine Verunsicherung eigener Mitarbeiter und breiter Bevölkerungsschichten bishin zur Begrenzung   ihrer Teilnahmemöglichkeiten am öffentlichen Leben.
Dazu noch ein Beispiel aus dem Land, welches von den Spracherneueren doch gern als fortschrittlich, richtungsweisend und Vorbild schlechthin angepriesen wird: den USA.

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Dummdeutsch, die Alternative zur englischen Sprache?

Nun, so jedenfalls scheinen es die Befürworter der Ersetzung deutscher Wörter durch Amismen zu sehen. Ihrer Ansicht nach bietet die deutsche Sprache, zum Beispiel in der EDV, keine  sinnvollen Übersetzungsmöglichkeiten. Immer wieder werden dafür verschiedene "Argumente" bemüht. Vom autoritären: "Unmöglich, weil ..." bis zu lächerlich wirkend sollenden Übersetzungsversionen. Eine davon, mit satirischen Elementen, möchte ich unseren Lesern nicht vorenthalten, ich hänge sie samt einem etwas seriöseren Übersetzungsversuch an diesen Text. Eine ganz korrekte und ganz sachliche Fassung dieser "Probleme" in Deutsch ist natürlich auch noch möglich...
(Text in "<<  >>" von H.A,  zweite Version von H.B)

<< Und wie ärgerlich ist es, wenn in den neuen Arbeitsplänen der Firma Winzigweich, ständig irgendwelche Käfer sitzen. >>

Und wie ärgerlich ist es, wenn die neuen Betriebssysteme der Firma Mikkisoft ständig durchwanzt / mottenbefallen / störanfällig / voll von Fehlern sind.

<< Derzeit überlege ich, ob ich beim Aufrüsten meines Rechners das Mutterbrett behalte und nur die mittelpunktliche Durchführereinheit austausche.  >>

Derzeit überlege ich, ob ich beim Aufrüsten des Rechners die Mutterplatine (Hauptplatine) behalte und nur die ZVE (Zentrale Verarbeitungseinheit, auch Zentralprozessor oder CPU genannt) austausche.

<< Hoffentlich ist dann noch das Schlüsselbrett verwendbar. >>

Hoffentlich ist die Tastatur dann noch verwendbar.

<< Ich weiß aber nicht, ob dann die Weichware, die ich verwende, noch läuft. >>

Ich weiss aber nicht, ob meine Programme (meine Logikalien) dann noch laufen.

<< Mit Fenster 95 bin ich nicht grade auf der Höhe der Zeit und ich ärgere mich über meine "Geschäftszimmer 95 beruflich" Fassung. >>

Mit Windoof 95 bin ich nicht gerade auf der Höhe der Zeit, und ich ärgere mich über meine veraltete Version von "Offis 95 Provinziell".

<< Trotz allem halte ich die Kompaktscheibe-Lies-nur-Erinnerung für einen großen Fortschritt. >>

Ich hätte mir schon einen Strick genommen, wenn nicht ein ominöser Kompaktdatenträger mit aufgedrucktem Pinguin mir neue Wege gewiesen hätte.

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Betriebliche Kommunikation in Landessprache?

In den USA ist vor einigen Jahren durch ein Grundsatzurteil Englisch  als  Unternehmenssprache zur Pflicht gemacht worden, um das Aufkommen von  Spanisch  und Mehrsprachigkeit im Wirtschaftsleben zu verhindern.  Also ist man letztendlich auch in diesem Land   zur Erkenntnis gekommen, daß die weitergehende Einführung von   Fremdsprachen in das Arbeits- und Geschäftsleben die grundsätzlichen Rechte der Mitarbeiter und Kunden in Frage stellt. Inländer wären  zur Kommunikation in einer Sprache gezwungen, die sie größtenteils nur teilweise beherrschen; Irrtümer und  Minderwertigkeitsgefühle wären  die Folge.
Nicht so überall, vor allem in Europa und Deutschland.
Globale Wirtschaftstätigkeiten, zuletzt Firmenzusammenschlüsse, sind eine willkommene Gelegenheit für die Befürworter der englischen Sprache im Betriebsleben: in Form einzelner Bezeichnungen, Namensgebungen oder Bestrebungen zu ihrer Einführung als Unternehmenssprache. Als Beispiele können hier die Lufthansa und Daimler-Chrysler angeführt werden.
Im letzteren Fall berichtet FOCUS 19/1999 , daß
>>> ...erst nach massiven Bemühungen, auch des Betriebsrates, die Ankündigung des Vorstandsvorsitzenden Schrempp zur Betriebssprache nicht umgesetzt wurde: "Nicht-Manager dürfen im Zeichen des Sterns wieder deutsch reden". <<<

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Wie benimmt man sich im Netz? - Nettikett

Netzsitten (Nettikett / Netiquette) und einige Überlegungen dazu.
[Netiquette :: Kunstwort aus "Netz" und "Etikette", engl. "net" und "etiquette"]
Für eine funktionierende Kommunikation im Netz genügt nicht nur die Erfüllung technischer Voraussetzungen,
auch ein großes Maß von  Selbstdisziplin seiner Teilnehmer und die Einhaltung einiger Regeln, der Netzsitten sind
unabdingbar.
Wir möchten hier auf einige der wichtigsten Aspekte dieses Problems eingehen.

1. Bitte nicht vergessen: Der Empfänger Ihrer Nachricht ist ein Mensch, öfters ist es auch ein ganzes Forum.
Höflichkeit ist ein gutes Rezept. Ihre Nachricht hat größere Chancen gelesen zu werden und Sie, daß Ihnen im
Bedarfsfall geholfen wird. Dazu noch einige Regeln:
- Schreiben Sie nie etwas, was Sie dem Adressaten nicht auch in Gegenwart anderer Menschen ins Gesicht
    sagen würden (wobei dies nicht als Aufruf zur Kritikunterdrückung verstanden werden sollte!)
- Vorwürfe namentlich formulieren. Keinen Unmut-Matsch.
- Vorwürfe sachlich begründen.
- Auf Verächtlichmachung anderer verzichten.
- Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Ihre Stellungsnahmen im Forum nicht die von Ihnen gewünschte Resonanz
    finden.

2. Das Verfassen einer Nachricht: Erst denken, dann schreiben, dann lesen, dann nochmal denken und erst
dann versenden!
Die Gefahr von Mißverständnissen, vor allem bei humoristisch sein sollenden Bemerkungen ist groß, aber nicht jeder
muß davor Angst haben.

3. Fassen Sie sich kurz!  Meiden Sie Rechtschreibefehler und schreiben Sie verständlich. Ihr Anliegen hat
größere Chancen angenommen zu werden, wenn es den Anforderungen an Stil, Niveau und Form genügt.
Letzendlich: Sie werden so gesehen, wie Sie schreiben!

4. Die "Betreff"-Zeile (subject). Ist praktisch ein Muß. Eine kurze Beschreibung des Inhaltes ermöglicht dem
potentiellen Leser die Entscheidung, ob dieser Artikel für ihn von Wichtigkeit ist. Auch bei der direkten
Antwort sagt diese, jetzt mit "re:" versehene Zeile etwas aus. Nur bei länger andauernden Diskussionen, in
denen das Thema sich zwischenzeitlich geändert hat, sollte man auch an die Anpassung des Inhalts dieser
Zeile denken. Wobei aber auch der Gesprächsfaden sichtbar erhalten bleiben sollte, z.B. durch den erwähnten Gebrauch der "Antwort/reply"-Funktion des Netzprogrammes.

5. Vorsicht mit Humor und Sarkasmus!  Provozieren Sie keine Mißverständnisse. Ihrem Leser fehlt die
das persönliche Gespräch so selbstverständlich begleitende Mimik oder Gestik. Er sieht nur Worte.

6. Kürzen Sie Texte auf die Sie sich beziehen auf ein notwendiges Minimum. Bei direkten Antworten auf ein
erhaltenes Schreiben ist es bequem und nützlich, die dort enthaltenen Textstellen auf die Sie antworten möchten,
zu zitieren. Aber bitte nur diese. Das Anhängen ganzer (langer) Schreiben, so wie es die Postprogramme
beim Aufruf von "Antwort"/"reply" anbieten, ist im Allgemeinen eine Unsitte. Also bitte schön alle für die Antwort
belanglosen Zeilen löschen, Sie ersparen vielen Lesern unnötige Mühe.

7. Achten Sie auf gesetzliche Regelungen!  Nicht alles kann oder sollte im Netz verbreitet werden.
Es ist völlig legal, kurze Auszüge aus urheberrechtlich geschützten Werken zu informationellen Zwecken zu
versenden. Was darüber hinaus geht, ist illegal. Zu den urheberrechtlich geschützten Werken gehören unter
anderem Zeitungsartikel, Liedtexte, Programme, Bilder etc. Ebenfalls illegal ist es natürlich auch, mit Wort
und/oder Bild zu Straftaten aufzurufen oder zumindest Anleitungen dafür zu liefern.
Achten Sie darauf, daß Sie mit Ihrem Artikel keine Gesetze brechen und bedenken Sie, daß sich evtl. jeder
strafbar macht, der solche Informationen auf dem eigenen Rechner hält und anderen zugänglich macht.

8. Keine Pseudonymität!  Schämen Sie sich nicht Ihres Namens. Die manchmal anzutreffende Unsitte, sich hinter
einem Pseudonym zu verbergen, entspringt wohl der Überlegung, daß man sich als Unbekannter mehr erlauben
darf, daß man weniger rücksichtsvoll sein kann. Von der Allgemeinheit der Netznutzer wird der Gebrauch von
Pseudonymen negativ gewertet.
Trotzdem sollte man aber nicht vergessen, daß  pseudonyme Schreiber auch interessante Beiträge liefern können und
deswegen wie auch jeder andere Netzteilnehmer beurteilt werden sollten. Mit dem guten Ruf im Forum  hat er es schwieriger.

9. Kommerzielles im Netz?  Gezielte und gewünschte Informationen, vor allem hinterfragte, ja! Dagegen ist
die Verbreitung reiner Werbeinformationen, vor allem bei größerem Volumen im Epostverkehr, in
Diskussionsforen absolut unerwünscht.
 

Dazu noch Hartmut Pilch: "Nettikett-Besserwisserei ist schädlicher als so manche kleine Netzsittenwidrigkeit.
Die Netzsitten-Antworten sollten dem Schreiber zur Anregung dienen, nicht dem Nettikett-Ordnungswaechter.
Denn wer diese kleinen Fehler begeht schadet sich selber mehr als dem Forum."

Weitere Informationen z.B. unter:  http://www.chemie.fu-berlin.de/outerspace/netnews/netiquette.html

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Keine Assimilation von Lehnwörtern?

[Assimilation : Angleichung, Aufgehen in fremder Sprache]

Jede Sprache lebt auch von Lehnwörtern welche im Laufe der Geschichte die Sprache bereichert haben. Manche Menschen vertreten die Meinung, daß Lehnwörter unverändert in die Sprache übernommen werden sollten, daß auch die überlieferte Schreibweise, aus Respekt vor der fremden Sprache, bewahrt werden sollte. Diese Meinung läßt sich schwer aufrechterhalten; so sagt Rudolf Fischer zu diesem Thema:
>>> Wer behauptet, Lehnwörter nicht anpassen zu wollen "aus Respekt vor der fremden Kultur", muß diese ja dann in allem unverändert lassen: Lautung, Flexion und vor allem Gebrauchsmöglichkeit. Sogar Schreibung im Originalalphabet? Also, dann "Philosophie" in griechischen Buchstaben bitte und mit der Aussprache "P-hilosop-hie", nicht mit F-Lauten, wie erst Jahrhunderte nach der klassischen Zeit. Oder welche Periode soll für jedes Wort als die "richtige" festgelegt werden? Nichts für ungut, aber wer Sprachwandel leugnet oder seine Abschaffung propagiert (Übernahme von Wörtern als Lehnwörter samt Assimilation ist ein wichtiger und unverzichtbarer  Sprachwandelprozeß), der steht sachlich auf verlorenem Posten. <<<

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Lächerliche Übersetzungsvorschläge?

Es ist verhältnismäßig einfach für den Kritiker der Sprachwahrungsbemühungen diese ins Lächerliche zu ziehen, Dummdeutsch als Alternative anzusehen (Hartware, Weichware,Gesichtserker Winzigweich sind beliebte Beispiele). Er befleißigt  sich dabei keiner fundierten, wissenschaftlichen Methode, sondern versucht  diese Lächerlichkeit an einigen, nicht unbedingt korrekten Beispielen zu dokumentieren. Womöglich versucht dieser Kritiker sogar selbst seine "Fähigkeiten" unter Beweis zu stellen, indem er den fremden Begriff wortgenau, aber ohne Beachtung der jeweiligen Wortbedeutung übersetzt.
Da wird aus dem "motherboard" das "Mutterbrett", trotzdem der Begriff Hauptplatine gängig und bekannt ist. Oder er versucht anhand eigener, manchmal auch nur punktueller Kenntnisse einer Fremdsprache, jegliche fundierte Übersetzungsversuche als unnötig (weil doch bekannt) oder als lächerlich abzutun. Womit die Sprache dann mit einer Menge, für die Allgemeinheit unverständlichen, Wörtern verbleiben müßte. Wenn es denn nach den Sprachwahrungskritikern gehen sollte.
Die Lächerlichkeit vieler "lächerlicher" Übersetzungen resultiert aus der oberflächlichen Betrachtungsweise die dabei genutzt wird. Nur weil ein ins Deutsche übersetzte Wort ungewohnt klingt, wird es gern verworfen. Trotzdem das englische Vorbild eigentlich auch lächerlich klingen sollte; nur wer von den Kritikern ist der anderen Sprache so mächtig um es herauszuhören?
Im Englischen: motherboard und logisch dazu daughterboards - was wäre an den deutschen Mutter- und Tochterplatinen auszusetzen? Wo wir doch Tochterfirmen, Tochtergesellschaften und Tochterunternehmen anstandslos akzeptieren?
Hartmut Pilch meint dazu: Viele vermeintliche Lächerlichkeit entstammt einem Schmalspurdenken. Derjenige, der das "Mutterbrett" fuer lächerlich hält, kennt nur eine verengte Bedeutung dieses Begriffs und ist es nicht gewohnt, seine Fantasie ausserhalb konventioneller Bahnen laufen zu lassen. Was sich ausserhalb dieser Sicherheit gewährenden Bahnen bewegt, wird dann als ketzerisch empfunden.
Insofern ist Sprachwahrung auch eine Art der Aufklärung.
 

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Haben die Bemühungen privater Initiativen und Vereine überhaupt einen Sinn?

Aber ja, muß man natürlich antworten. Dafür gibt es mehrere Begründungen.
-Die deutsche Sprache braucht in ihrer gegenwärtigen Lage ein Sprachrohr, das auf ihre katastrophale Situation aufmerksam macht.
-Die Menschen welche sich dieser Sprache bedienen brauchen schon heute Hilfe um sich verständigen zu können, um diese Sprache zu verstehen. Nicht ohne Grund erscheinen viele diesbezügliche Wörterbücher, häufen sich entsprechende Wörterlisten im Netz.
-Bei der andauernden Überflutung mit fremden Termini sollte es jemanden geben, der sich ihnen widmet, der sie wo notwendig oder möglich, durch ein verständliches Wort ersetzt.
-Es hat sich erwiesen, daß der Bedarf an Auskunft, Hilfe und vor allem an einem Ansprechspartner groß ist. Viele Menschen empfinden den Niedergang unserer Sprache als einen persönlichen Verlust und diesen Menschen zu helfen ergibt einen tiefen Sinn.

Lassen wir hier in diesem Zusammenhang auch Wolf Schneider zu Worte kommen:
"Die großen Kultursprachen sind die großartigsten und bei weitem am mühsamsten errichteten Kunstwerke der Menschheit, erbaut und verfeinert in Hunderten von Generationen. Eines dieser Kunstwerke haben wir Deutschen vorgefunden ohne allen  Verdienst. Also haben wir guten Grund, dieses grandiose Monument der Welterfahrung, der Gewitztheit und der Phantasie nicht den Schreihälsen und den Wortverdrehern auszuliefern, sondern uns redlich zu plagen, daß wir es vielleicht mit ein paar Verdiensten weitergeben können an die nächste Generation - damit sie mindestens dieselbe Chance hat wie wir, ihre Wünsche zu artikulieren, >ihre Nöte hinauszuschreien und ihren Geist das Fliegen zu lehren."

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Wozu auf Deutsch beharren, wäre eine einheitliche Weltsprache nicht besser?

Also eine durch stufenweise Sprachvermischung entstandene Weltsprache, wobei die jetzige Denglisierung unserer Sprache sozusagen die erste Stufe darstellen würde.

Hartmut Pilch meint dazu:
1. Sprachvermischung führt zu einer komplexen und ausdrucksschwachen Sprache. Einer Vielzahl an konkurrierenden Sprachsystemen innerhalb derselben Sprache  steht kein Gewinn an Ausdruckskraft gegenüber.  Alle auf Ausdruckskraft angelegten Kunstsprachen streben nach Einfachheit und Reinheit.
2. Wenn die deutsche Sprache in einigen Generationen wirklich sterben und der Weltsprache Platz machen sollte, geht dies auch ohne vorheriges Siechtum. Ein Tod in Würde ist möglich.
3. Die Welt-Einheitskultur ist nicht unbedingt wünschenswert. Die Welt wird sich eventuell besser entwickeln, wenn mehrere konkurrierende Regionalkulturen sich eigenständig entwickeln können.

Die Wissenschaft wurde in der Vergangenheit vielfach dadurch stimuliert, daß unterschiedliche Sprachkulturen mit den ihr eigenen Denkkulturen aufkamen, so etwa die französische, britische und deutsche, die jeweils aus ihren Sprachen in unterschiedliche, je für sich produktive Denkrichtungen gelenkt wurden. Künftig könnte es für die Wissenschaft einen Aufschwung geben, wenn sie sich einer Logiksprache (http://www.lojban.org) bedienen würde. Eine verfrühte Vereinheitlichung auf der Basis einer sehr begrenzten, unlogischen und auf bestimmte Denkweisen hin orientierten Nationalsprache, des Englischen (oder Denglischen?) würde der Einfalt und Stagnation in den Wissenschaften Vorschub leisten.

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Englische Wörter sind verständlicher?

Mag für den Engländer zutreffen. Er kennt die Feinheiten seiner Sprache, er fühlt sie und weiß  sie entsprechend anzuwenden. Leider stellt der Großteil der  in unserer Sprache vorgefundenen Amismen oder Pseudoangliszismen gerade das Gegenteil  dar: Es sind Sammel- oder Hülsenwörter, die die im deutschen Sprachgebrauch bekannte und präzise Bedeutung im besten Fall umschreiben. Beispiele wie power, set, service, event, highlight, ticket gibt es zuhauf. Aber auch andere, Mode- oder Imponiergehabewörter sind für Ottonormalverbraucher nicht verständlicher, wenn es für den jeweiligen Begriff ein etabliertes, deutsches Wort gibt.

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Internationale Unternehmensausrichtung fordert Kauderwelsch?

Die Verwendung unnötiger Fremdwörter wird des öfteren mit internationalen Kontakten begründet. Außer acht gelassen wird in solchen Fällen, daß die ausländischen Kontakte kaum in Denglisch verfaßt sein können. Da ist die deutsche, englische oder eine andere Partnersprache mit Sicherheit effektiver. Ein internationales Unternehmen muß und kann sich in mehreren Sprachen verständigen. Siehe auch Internationalisierungsbestreben

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Englische Wörter sind kürzer?

Manchmal schon. Nur, was für eine Bedeutung kann man dieser Tatsache beimessen?   Ein längeres Wort, eine präzisere Beschreibungsmöglichkeit einer Situation sind höher zu werten als mehrdeutige oder unverständliche Kürzel.

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Deutschtümelei als Motiv von Sprachwahreraktivitäten?

In der des öfteren unterstellten Form - bestimmt nicht. Weder nationalistisches noch anderes rechtsradikales Gedankengut inspiriert das Handeln echter Sprachwahrer. Sie widmen sich lediglich der Sprache, einem Kulturgut höchsten Ranges. Niemand von ihnen möchte, daß ihr Handeln, ihre Bemühungen in einen Zusammenhang mit unrühmlichen Aktivitäten um "das Deutschtum" aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts gleichgesetzt werden. Diese Verknüpfungen gibt es nicht. Es geht um den Erhalt der Sprache als funktionstüchtigem, zwischenmenschlichem Verständigungselement!

Dieter. E. Zimmer schreibt in seinem Buch "Deutsch und anders" über die schleichende Sprachverhunzung bei der es vom Denglisch, über Assimilationsschwierigkeiten fremder Wörter, Pidginierung bishin zum Kreol kommt (gekommen ist). Daß trotzdem in dieser Situation jegliches Bestreben, das Deutsche in der deutschen Sprache zu erhalten, allzu leicht "als Deutschtümelei ausgepfiffen" werde.

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Warum geht man gegen Fremdwörter an?

Viele behaupten, sie stellen auch heute eine Bereicherung unserer Sprache dar.
Die Wahrheit ist anders. Bei der heutigen Schwemme von Amerikanismen ist es nur in den seltensten Fällen so. Jede Sprache lebt auch von Importen und auch die deutsche Sprache hat sich in der Vergangenheit bei anderen Sprachen bedient. Nur hat diese Methode Grenzen: Nämlich da, wo die Anzahl der Importe die eigene Sprache an den Rand der Unverständlichkeit bringt;
da, wo Fremwörter einen qualitativ minderwertigen Ersatz für einen im Deutschen definierbaren Begriff bedeuten;
da, wo das Fremdwort ein entsprechendes, heimisches Wort eliminiert oder es vergessen läßt;
oder gar da, wo es einen Hülsenwortcharakter hat (power, service, cool) und eigentlich nur von u.U. profilierungssüchtigen, geltungshungrigen Menschen zur Aufwertung des eigenen Ichs gebraucht wird. Denn in diesen Fällen führt das einerseits zur Diskriminierung vieler anderer, dieses Wort nicht verstehender Menschen und anderseits zur Verarmung der Sprache, ihrer Ausdrucksfähigkeit.

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Die deutsche Sprache von fremden Einflüssen isolieren?

Die Regeln die zur Entwicklung und Erhaltung einer Sprache beitragen sind eigentlich klar. Deswegen wird das Hauptanliegen eines Sprachwahrers nicht erstrangig die Ausmerzung,  sondern besser die Bemühungen um Nichteinführung unnötiger Fremdwörter (unnötig dann, wenn es diese Begriffe im Deutschen schon gibt). Und zweitens die Übersetzung allgemein gebrauchter Begriffe  damit diese sich problemlos in die Sprache einfügen und so der Verständlichkeit  dienen und  den Gebrauch der Sprache fördern können.

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Jeder Eingriff in die Entwicklung der Sprache ist willkürlich und unbegründet?

Eine dogmatische Formulierung, eine Argumentation fern der Sprachwissenschaften!
Ein Blick auf die Geschichte des Deutschen und vieler anderer Sprachen zeigt, daß  häufig sprachplanende Kräfte mit positivem Ergebnis in den Gang der Entwicklung eingegriffen haben, daß
- der "Sprachreinigungsreflex" eine nicht zu unterschätzende Kraft ist, deren Auftreten man geradezu voraussehen kann, also etwas natürliches
- Sprachplanung sich zum Vorteil einiger Sprachen ausgewirkt hat

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Sprache und Kultur, einige Überlegungen

Für einschlägige Wissenschaftler war es schon immer klar: Die Sprache ist das wichtigste Ausdrucksmittel einer konkreten Kultur. Der Verfall der Sprache, ihre Primitivisierung läßt unweigerliche Rückschlüsse auf den Stand der Kultur zu. Werte der Kultur: Literatur, Humanwissenschaften, Technik können nur bestehen, können sich nur weiterentwickeln, wenn der Sprachgemeinschaft eine intakte und reiche Sprache zur Verfügung steht.
Weiter bedeutet die Sprache als Kulturmerkmal auch die wichtigste Integrationshilfe für jedes Mitglied einer Sprachgemeinschaft - einer gesellschaftlichen Gruppe. Die Sprache kann ihm zur eigener Identitätsfindung verhelfen, das unterbewußte Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe stärken. Diesem positiven Aspekt wird häufig zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Dabei lassen viele negative Erscheinungen in der Gesellschaft, so z.B. die Orientierungslosigkeit vieler Jugendlicher oder ihre Ausrichtung auf billige und flache Modeerscheinungen der konsumorientierten Welt gerade diese Schlußfolgerung zu.
Das fehlende Zugehörigkeitsgefühl mag dann auch das ausschlaggebende Motiv dieser Jugendlicher sein, sich falschen Propheten anzuschließen: Propheten die ihre (primitive) Sprache sprechen, die ihnen das Gemeinschaftsgefühl vermitteln, welches die Gesellschaft mit einer sich negativ entwickelnden Kultur ihnen nicht mehr bieten kann.

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Mit der Übernahme von Produkten sollte man auch deren Namen übernehmen?

Das hängt vom Einzelfall ab, aber im Allgemeinen ist es für eine Sprachgemeinschaft  praktischer, wenn ihr eigenes Sprachsystem bei der Einführung neuer Benennungen verwendet und gepflegt wird.  Man kann internationale Begriffe auch dadurch einführen, daß man sie übersetzt. Dadurch kann man sogar eine schnellere Verbreitung des Begriffes und seine gründlichere Rezeption erzielen.

                  

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Sind die Begriffe "Schimpansensprache" und "Denglisch" gleichzusetzen?

Dazu vorab das Motto mit Augenzwinkern: "Wenn wir mal von der Verunglimpfung der Schimpansen durch diesen Vergleich absehen, können wir durchaus über etwaige Parallelen dieser Begriffe sprechen"
Aber wer weiß schon etwas über die Verständigungsmöglichkeiten zwischen Primaten? Wir stellen uns einfach vor, daß eine beschränkte Anzahl von unkomplizierten Lauten, also etwas sprachenähnliches der Verständigung dient. Wie bei jungen Menschen, die das Sprechen lernen.
Und gerade in dieser Richtung bewegt sich die Sprache wieder, wenn ihr Worte entzogen werden und anstelle vieler, ausdruckstarker Begriffe ein einziges Hülsenwort kommt.  Beispiele:
  'power' hat nicht nur im technischen Bereich mehrere Bedeutungen sondern wird auch in der Umgangssprache für Stärke, Tatkraft, Energie, Antrieb, Durchsetzungsvermögen, Lebenslust und andere Wörter eingesetzt. Man sagt dafür einfach: 'power' und hat immer Recht, oder besser, man hat niemals das Richtige gesagt.
  'cool' ist noch so ein wenigsagendes Modewort für den, der die deutschen Begriffe: kühl, frisch, leicht, gekühlt, kaltblütig, eiskalt, unverfroren, gelassen, besonnen, bedächtig, ruhig, stark -  nicht mehr richtig auseinander halten kann. Und ähnliche Beispiele gibt es noch zuhauf.
Bei mit solchen Worthülsen aufgebauten Sätzen kommen wir dann schon in bedenkliche Nähe der Artikulierungsmöglichkeiten der am Anfang zitierten Primaten.

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Technische Termini sollten grundsätzlich unübersetzt bleiben?

Falsch1 Das würde der Verständlichkeit keinen Vorschub leisten. Außerdem sollte man immer daran denken, daß die Originalbezeichnung eines Gerätes, einer Methode,
eines Vorganges auf einer Sprache basiert, deren Feinheiten und Gefüge nur dem
Muttersprachler zugängig sind. Und daß diese Originalbezeichnung im Deutschen
gewöhnlich mehrere Bedeutungen zuläßt:
interface : Grenzfläche, Grenzschicht, Schnittstelle, Verbindung, Kontakt -
                   aber auch koppeln.
set : Besteck, Menge, Ableger, Bühne, Garnitur oder als Verb auch: setzen
         stellen, legen, versetzen, fassen...
Diese Beispiele lassen sich häufen. In diesem Zusammenhang schreibt
Hartmut Pilch:
>>>...gibt es sehr viele Beispiele, wo die deutsche Terminologie differenzierter ist.  Wenn man sich um eine deutsche Terminologie überhaupt bemüht, wird sie zwangsläufig differenzierter ausfallen als die englische, denn sie ist ja das Ergebnis einer nachträglichen Systematisierung. Wir sind für nachträgliche Systematisierung in der eigenen Muttersprache.  Das ist die Sprache, in der man meistens denkt, und es ist eine Frage des Gemeinsinns, dass man seinen Gesprächspartnern die Früchte seines Denkens in Form einer verfeinerten Terminologie zur Verfügung stellt.<<<

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Warum überhaupt wird die Sprache mit Fremdwörtern versetzt?

Hier wollen wir nur die Ursachen des Gebrauches unnötiger Fremdwörter zu definieren versuchen.

1. Imponiergehabe

In vielen Fällen werden Fremdwörter, vorzugsweise Amerikanismen, in die Sprache einbezogen um anzudeuten, daß man diese Fremdsprache kennt(?), daß man sie gebrauchen kann, daß man international berappt, vielleicht gebildet ist. In Wirklichkeit beherrscht ein gebildeter Mensch vor allem seine Muttersprache kann sich in ihr artikulieren. Ein gebildeter Mensch wird kaum versuchen, aufgrund seines Wissens Minderwertigkeitskomplexe bei anderen auszulösen. Ein gebildeter Mensch versteht die tieferen Zusammenhänge  denen eine Sprache unterworfen ist und wird ihr Bestehen und ihre Entwicklung nicht durch den unüberlegten Gebrauch von Fremdwörtern gefährden. Ein gebildeter Mensch endlich kennt und spricht wahrscheinlich diese oder jene Fremdsprache - aber er wird sie nicht unkritisch, aus Geltungssucht mit seiner Muttersprache mischen.

2. Herdeninstinkt

Dieses Phänomen mag für eine Großzahl unserer Mitbürger ausschlaggebend sein. Einfach nicht auffallen! Alles Fremde nachsprechen, wenn´s denn klappt, oder stillschweigend bejahen. Daß diese Vorgehensweise zu einem stetigen Verlust heimischer Wörter, zu einer Verarmung der eigenen Sprache führt, ist für diese Menschen kein Problem. Ihnen fehlt nämlich das Selbstbewußtsein zur Artikulierung ihrer Meinung in Worten, die nicht mehr populär scheinen. Da plappert man lieber in Worthülsen, gebraucht Wörter die eine vielfache Deutung zulassen, unter Umständen selbst nicht verstanden werden und bleibt damit im Trend.
Der Herde also.

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3. Internationalisierungsbestreben

Dafür wird vor allem von Seite der Fachsprachler argumentiert. Man sollte hier vorausschicken, daß dies in manchen Fällen und eng definierten Bereichen der Wissenschaft durchaus begründet sein kann. Müßig, hier Beispiele wie Medizin, Botanik o.a. anzuführen.
Ich wehre mich dagegen in Bereichen, die der Allgemeinheit alltäglich zugänglich sind.  Fachgebiete wie z.B. die EDV  mit ihren in viele Hunderte, wenn nicht Tausende gehenden Begriffen, können nicht der Willkür einiger Fachleute ausgesetzt bleiben. Die dann bestimmen, daß es ein keyboard, cache, location  o.ä. gibt, aber keine Tastatur, Zwischenspeicher oder Adresse.
Hier haben wir es nämlich mit der Geltungssucht einer Menschengruppe zu tun, die ihrer Wichtigkeit durch Angehörigkeit zu einer, den anderen verschlossenen Kaste, Ausdruck verleihen möchte.

4. Vergangenheitsbewältigung

Ein allgemeiner Grund für die Anfälligkeit der Deutschen zur Übernahme amerikanischer Wortbrocken, amerikanischer Bezeichnungen, amerikanischer Lebensarten ist auch ein Vergangenheitsbewätigungsversuch. Mit der Verleumdung des Deutschen, seien es Sprache, Schrift oder Gewohnheiten, versuchen die Menschen sich von vergangenen Tragödien abzukoppeln, nichts damit zu tun zu haben. Dies kommt in vielen Fällen einem Identitätsverlust, einer Abkoppelung von Tradition und Werten gleich. Einem Verlust des Zusammengehörigkeitsgefühles und  der kreativen Sprachentwicklungsmöglichkeiten. Hierzu noch Dr. Horst Hensel: "...weist seitens der Germanistik und des Deutschunterrichts auf ideologische Vorbehalte hin - viele mögen sich ganz einfach nicht zu irgendetwas Deutschem bekennen, und wenn es nur die Muttersprache ist..."

5. Vorbildsuche

Diese eben geschilderten Umstände mögen für eine Anzahl von vorrangig jungen Menschen der Grund für das unkritische Nachahmen von Gewohnheiten und Sprache sein. Das schillernde Amerikanische, die Filme, die Dauerberieselung mit englischsprachiger Musik, die Freiheiten(?) jenseits des Ozeans, für seriösere Zeitgenossen auch die amerikanische Demokratie, das alles können (zwar nicht hinterfragte, aber vielleicht gerade deswegen) Vorbilder für den weniger kritischen Menschen sein.
Bei der großen Mehrheit mit kaum  einer persönlichen Meinung zu dem Angesprochenen, ist das gewöhnliche Nachäffen das Ausschlagebende.
Wenn der Mann im Fernsehen (der ist doch wer!) "event" sagt, dann ist es wohl richtig.
Wenn die Zeitung (das ist doch fast schon ein Dokument!)  "crash" schreibt, gebraucht man wahrscheinlich die Wörter "Unfall", "Zusammenstoß", "Absturz", "Unglück" nicht mehr.
Wenn der Politiker, der Abgeordnete von "high tech" oder "news" spricht, dann gibt es dafür wohl keine anderen Wörter.
Also tun wir es genau so und wir können damit nicht schlecht liegen!
Unter Jugendlichen, in Gruppen, in der Schule fallen diese Verhaltensmuster besonders drastisch aus: Hier ist Lernen angesagt, also müssen die (negativen)Vorbilder ran.

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Zur Illustration der Antworten  Nr.2 und Nr.5 ein  200 Jahre alter Text:

Die verdammte Einhelligkeit in der Aufnahme jedes neuen Sprachschnitzers entspringt aus dem Triebe der Nachahmung, welcher dem großen Haufen, also auch unsern Sprachverbesseren, Leitstern alles ihres Thuns und Treibens und leider auch des Schreibens ist: was irgend Einer geschrieben hat, und sei es ein grober Schnitzer, schreiben sie auf seine Autorität nach: so verbreitet sich die Pest der Sprachverhunzung. Zum Verzweifeln ist, daß nicht Einer eine Spur von eigenem Urtheil zeigt, durch Verwerfung und Verhöhnung eines auftauchenden Schnitzers.
Nein, jeder adoptirt ihn so freudig, wie die Grasmücke den jungen Kukuk, und diese Sprachverbesserer sind einander Gegenstände der Bewunderung und Nachahmung.

Arthur Schopenhauer

Einen ähnlichen Gesichtspunkt kann man in dem Beitrag "Zur Geschichte und Funktion des Fremdwortes"   (Duden-Fremdwörterbuch)   finden:

>>> Fragwürdig wird der Gebrauch von Fremdwörtern, wo sie zur Überredung oder Manipulation z.B. in der Sprache der Politik oder der Werbung, mehr oder weniger bewußt verwendet werden oder wo sie lediglich als intellektueller Schmuck, zur Imagepflege, aus Bildungsdünkel oder Prahlerei, vielleicht auch nur aus Bequemlichkeit oder Gedankenlosigkeit benutzt werden, wo also außersprachliche Gründe den Gebrauch bestimmen.<<<

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Nichtenglische Fremdwörter - keine Bedrohung der Sprache?

Verfechter der denglischlastigen Sprache führen als Hauptargument für die Notwendigkeit des Gebrauches von Fremdwörtern des öfteren die Anwesenheit vieler Wörter lateinischen oder französichen Ursprungs in der deutschen Sprache an. Sie übersehen hier aber einige grundsätzliche Unterschiede zwischen der Einführung dieser Wörter im Laufe von Jahrzehnten oder Jahrhunderten und der heutigen Überschwemmung des Deutschen mit Amerikanismen oder noch schlimmer, Pseudoamerikanismen oder -anglizismen. Eine etwas ausführlichere Argumentation von Hartmut Pilch:

>>>  Heute geht es darum, das Grundgerüst der deutschen Sprache zu wahren. Man soll mit den Mitteln unserer Sprache weiterhin neue Wörter bilden koennen.  Eine Sprache ist ein System zur Erzeugung neuer Wörter, und sie zu wahren heißt, das System produktiv zu halten und seine Weiterentwicklung zu ermöglichen.  Darum geht es.
Ein paar vereinzelte Wörter schaden dem System nicht, besonders nicht dann, wenn sie vom System assimiliert sind.
Die lateinischen Woerter im Deutschen sind assimiliert.  Sie funktionieren weitgehend so wie einheimische deutsche Wörter.
Ich kann z.B. bilden:

  produzieren ==> die Produzierung, der Produzierer, die Produzierweise, die produzierensfördernde Denkweise

auch wenn man eher "der Produzent", "die Produktionsweise" und "die produktive Denkweise" sagen würde.  An diesem Beispiel sieht man, dass lateinische Woerter damals, als sie eingeführt wurden, durchaus die Sprache unregelmäßiger gemacht haben.  Aber sie haben andererseits auch zu einer Erweiterung des Systems geführt:

      formatieren    inkrementieren    proletisieren    spintisieren

Diese Bildungen wären ohne die Endung -ieren, die vom Lateinischen (-are) her kommt nicht möglich.  Es handelt sich hier um neue Wörter, die es im Lateinischen nie gegeben hat. Hier kann man tatsächlich von "Bereicherung durch Fremdworte" sprechen. Wie sieht es aber mit Wörtern wie "Prodjuhser" aus?
Wenn ich daraus:

       prodjuhsen    geprodjuhst    prodjuhsbar    prodjuhsgeneigt

usw bilden koennte, wäre das Wort vielleicht assimiliert und würde uns nicht mehr stören.  Aber auch hier muss man fragen:  steht der Aufblähung unseres Wortschatzes mit zusätzlichen Wurzeln wie "Prodjuhs" auch ein Gewinn an Ausdruckskraft gegenüber?
Sicherlich gibt es auch beim latino-deutschen Erbe einiges zu Entrümpeln. Es gibt Wörter, die nur den Wortschatz aufblähen, ohne neue Ausdruckskraft zu schaffen.  Diese Entrümpelung ist jedoch in vollem Gange.
In jeder Sprache kann man solche Entrümpelungsprozesse beobachten. Viele Menschen streben nach einfachem und klarem Ausdruck, nach einem günstigen Verhältnis zwischen Ausdrucksaufwand und Ausdruckserfolg, m.a.W. nach einer schönen Sprache.
Dem stehen Kraefte gegenüber, die das Sprachsystem mit unnützem Ballast zumüllen.  Gerade die Stimmen, die man in der Öffentlichkeit hört, verfolgen nicht immer das Wahre, Gute und Schöne, sondern schnöde Eigeninteressen.  Ein denkfaules Publikum bringt einer werbefinanzierten Medienwirtschaft mehr Geld als ein aufgeklärtes.  Denkfaulheit wird heutzutage bei uns meist im Gewand von Anglizismen propagiert.  Nicht von Latinismen.<<<

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Sind "diskussionsbedürftige" Wörterlisten ein Weg zur Eindämmung überflüssiger Anglizismen?

Kritiker dieser Listen weisen auf negative Urteile in dieser Angelegenheit hin:
-- da werden Wörter zitiert, die schon in die Umgangssprache eingegangen sind
-- da werden Übersetzungen angeboten die lächerlich klingen
-- da werden Menschen entsprechende Wörter "verordnet"

All das aber ist kein wirklicher Grund für die Einstellung oder auch nur die generelle "Entrümpelung" dieser Listen. So wie Negativbeispiele(unnötige Fremdwörter in Presse, Radio, Fernsehen) dem Nachahmungseffekt entgegen kommen, so sollten auch diese Listen Andersgewillten die Möglichkeit bieten ihre Gedanken in, der Allgemeinheit verständliche, entsprechende Worte zu kleiden. Hier kommt es nicht auf die "Verordnung", auf das Muß des Gebrauches eines bestimmten Wortes an, hier sollte die Möglichkeit der Wahl eines Synonyms vorhanden sein. Deswegen auch schon mal: verschiedene Wörter, Wortvorschläge, Worterfindungen, Wörter aus der Klamottenkiste. Das beste davon wird sich behaupten.
Denn ohne solcher, z.B. Wörterlisten laufen wir in die Gefahr, daß uns bei Bedarf Wörter fehlen.
Dies sind nicht nur persönliche Erfahrungen, Menschen der schreibenden Zunft stehen öfters vor der Frage: "Ja, wie sagt man das eigentlich?" oder "man merkt es schon garnicht mehr, wenn man ein Hülsenwort gebraucht, aber gleichzeitig zwei oder drei eigentlich bekannte deutsche Wörter links liegen läßt".
Dadurch kommt es dann zur Ausdrucksarmut bei dem persönlich gesprochenen Wort und zur allgemeinen Verarmung der Sprache. Weil eben treffende, niuancenreiche Wörter in die Vergessenheit geraten.
Weiter sind es Wörter, die für zeitgenössische Begriffe gebraucht werden. Es gibt Menschen, die sind der Meinunung, daß für den Begriff "A" kein deutsches Wort notwendig ist, andere, daß dies für den Begriff "B" zutrifft, andere wieder für "C". Aber die letzteren verstehen weder "A" noch "B", die "A"-Kennenden wissen nicht was "B" oder "C" bedeutet und so ist das Chaos komplett.
Nur eine Wörterliste, die für alle Begriffe deutsche Wörter anbietet, auch für die "allgemein bekannten", "eingebürgerten", "selbsterklärenden" kann Miß- oder Unverständnissen vorbeugen.
Daß diese Einstellung begründet ist bezeugen Wörterbücher, die sich von ähnlichen Ideen leiten lassen.

Und es gibt noch einen Grund für die Erstellung von o.g. Wörterlisten. Die professionellen Wörterbuchverlage begnügen sich gewöhnlich mit der passiven Registrierung neu auftauchender Wörter. Eine Klassifizierung im Sinne sprachwissenschaftlicher Erkenntnisse ob ihres Wertes für die Sprache bleibt aus. Da wird also nicht gesagt ob dieser Begriff treffender durch dieses oder jenes bekannte deutsche Wort beschrieben werden kann oder ob er mit Vorbehalten in dieser Form verwendet werden sollte.
Das Schlimme daran aber ist die unkritische Haltung der Nutzer eines solchen Wörterbuches. Für ihn ist die Aufführung des Begriffes schon die Legitimation der Zugehörigkeit zum allgemeinen Sprachschatz.

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Das französische Sprachenschutzgesetz - ein Vorbild oder Abschreckung?

Loi Toubon vom 4.8.94. und seine Vorgänger  1972, 1975 u.a. - diese reichen bis in die Anfänge des 17. Jahrhunderts

Eine neutrale Beurteilung, vor allem mit Hinblick auf die Lage in Deutschland, ist schwierig. Befürworter und Widersacher dieses Werkes haben ihre  jeweils unumstößlichen Argumente. Wir wollen vorab einige Kernaussagen dieses Gesetzes aufführen:

1.  Französische Sprache in Beruf, Unterricht u.Öffentlichkeitsarbeit
2.  Kaufmännische Aktivitäten, öffentliche Werbung in Französich (mit Ausnahmen)
3.  Öffentliche Werbung, unabhängig vom Ort in Französisch; Androhung von Klagen und Verboten
4.  Fremdwortgebrauch nur mit Übersetzungsvorschlägen
5.  Bei vorhandenen französischen Synominen ist der Gebrauch der entsprechenden Fremdwörter verboten (Ausnahmen bei Auslandskontakten)
6.  Französisch bei Demonstrationen, Kongressen, Sitzungen
7.  Fremdsprachige, aber staatlich geförderte Veröffentlichungen, mit wenigstens einer französischen Zusammenfassung
8.  Das Gleiche gilt für Verträge (Kauf-, Arbeitsverträge)
9.  Interne Arbeitsverträge, -bedingungen in Französisch
10. Ausnahmen für nicht ersetzbare Fremdwörter in Arbeitsverträgen
11. Unterrichtssprache ist Französisch (Ausnahmen für internationale und
     ausländische Schulen)
12. Fernsehen und Rundfunk zwingend französisch (Ausnahmen: Originalfassungen)
13. Markennamen dürfen keine Fremdwörter sein wenn es einen entsprechenden französischen Begriff gibt
14. Ausnahmen f. 13. - Gilt für Marken die nach der Gesetzesveröffentlichung auf den Markt kommen
15. Öffentlich geförderten Projekten droht bei Verstoß gegen das Gesetz die
     Leistungseinstellung
16. Ahndung der Übertretungen von 2. durch Personen des öffentlichen Rechtes
     und Ordnung
17. Strafbarkeit der Behinderung der Ausführung von 16.
18. Für Klagen ist eine 5-tägige Einspruchsfrist eingeräumt
19. Sonderstatus für Dialekte und regionale Sprachen

Diese Zeilen stellen einen gekürzten und unvollständigen Überblick des Gesetzes dar, wobei aber das Wichtigste enthalten sein sollte. Weiteres unter - Frankreich
                                                             ~  ~  ~  ~  ~
In Deutschland:
Die Gegner eines deutschen Sprachengesetzes reichen von fanatischen Sonderlingen (es sei Sprachenfaschismus) bishin zu gemäßigten Ablehnern, wie die GfDS in Wiesbaden oder das IDS in Mannheim.
(Letzteres auf den Vorstoß für ein Gesetz von Innensenator Eckart Werthebach:
"Mit Sprachgesetzen und Verdeutschungsangeboten ist den Motiven für den Gebrauch von Anglizismen kaum beizukommen", schrieb Institutsdirektor Gerhard Stickel an den Senator und lehnte bei dieser Gelegenheit auch die Bildung eines regierungsnahen Spracheninstitutes ab.)
Allen Ablehnern gemeinsam aber ist die unübersehbare Furcht vor einer Beurteilung als Verfechter nationalistischen Gedankengutes (weil, es war einmal...), als deutschtümelnde Kauze und die Blindheit auf den der Sprache zugefügten Schaden.

Vieles aber spricht für ein derartiges Gesetz. Zu dieser Überzeugung kam auch unser östlicher Nachbar: Das Parlament der Republik Polen verabschiedete ein solches im Oktober 1999. Weiteres dazu unter: - Polen

Den Mitgliedern des VWDS wurde das Thema: Gesetz ja, Gesetz nein, vorgelegt. Echte Ergebnisse, außer einigen Stimmen in der Diskussion, gibt es noch nicht. Klar ist nur eins: Der Weg bis dahin wäre noch sehr weit. Und vieles müßte anders als in den "Vorbildern" geregelt werden.

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Sprachverhunzung oder Lobbyarbeit? Oder gar Kolonisierung der Sprache?

Oberflächlich gesehen ist Denglisch für viele Menschen nur eine Sprachverhunzung mit eventuellen Folgeschäden für die Sprache selbst. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Die Ersetzung bekannter Begriffe durch  der deutschen Sprache nicht gerecht werdende Fremdwörter, die kritiklose Einführung und Verbreitung fremder Begriffe, ihr Gebrauch in Verlautbarungen, Werbung und Fernsehen  dienen aber auch weniger offensichtlichen Zwecken. Es ist die Manipulation des Verbrauchers.
Die Werbung, der Arm der Konzerne greift hauptsächlich mittels Worten nach ihren "Opfern", den Konsumenten. Möglichst einprägsamen, überzeugenden, einlullenden, schillernden Worten. Hier bietet sich denglisch mit seinem amerikanische Freiheit, amerikanischen Lebenstil suggerierendem Vokabular an. Konsumieren sollen wir alle das was uns vorgegeben wird. Möglichst viele das Gleiche. Möglichst viel von wenigen die Welt umspannenden Konzernen. Uniformierung unserer Bedürfnisse.
Nur, wie gesagt, ist das für die wenigsten Menschen offensichtlich. Wenn nämlich die Argumente der "Bereicherung" unserer Sprache in den Vordergrund gerückt werden.
Zu diesem Thema sagt Otto Schily in seiner Arbeit: "Sprache und Politik" u.a.:

... Die größte Gefahr aber stellt die stille und unmerkliche "Kolonisierung" der Sprache dar,  damit sie im Sinne kommerzieller oder politischer Interessen als verdecktes Herrschaftsinstrument eingesetzt werden kann.  Dadurch wird das Individum im schlimmsten Fall entmündigt und einer totalitären Herrschaftsstruktur der Boden bereitet. Sprache ist deshalb geistiger Kampf, in dem sich der Einzelne in seiner Würde behaupten muß. ...

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Sprachenvielfalt oder Sprachenvereinheitlichung

Dies wäre auch ein Aspekt des weltumspannenden Kulturimperialismus. Immer mehr Menschen wenden sich freiwillig oder gezwungener Weise von ihrer Muttersprache ab. Die Publikation wissenschaftlicher Arbeiten geschieht heute vorzugsweise in Englisch. Die Sprache großer (deutscher) Unternehmen tendiert auch im innerdeutschen Verkehr zum Englischen. Die Sprache des Internet ist zum übergroßen Teil Englisch. Sogar in deutschen Foren, mit  nur deutschen Teilnehmern wird diese Sprache "gepflegt". Deutsche Entwickler schreiben erst garnicht deutsche Texte in ihre Programme, es ist nicht "zeitgemäß". In den beiden letzten Fällen aber kann man des öfteren kaum noch von der englischen Sprache sprechen, es ist die BSE (bad simple english). Über den Schaden an der deutschen Sprache, ihrer Verarmung in so einem Waisendasein macht sich bei diesen Menschen niemand Sorgen. Denn es ist eben keine offensichtliche, für jedermann einsichtige Wahrheit - diese eine Facette des Weltkulturimperialismus, das Sprachenmonopol.

An einem Beispiel aus der Industrielandschaft, das Harmut Pilch zeichnet, kann man die für viele nationale Kulturen zerstörerische Kraft des Monopolwirkens einer Kultur wohl am bildhaftesten erkennen:

>>> ...Auch bei den PC-Betriebssystemen sind wir bei einem "natürlichen Monopol" einer Firma angelangt, so sagt es zumindest die MS-Verteidigung im amerikanischen Kartellprozess.  Allerdings ist das weniger natürlich als bei der Sprache.  Bei den Betriebssystemen können mithilfe von fairen Standards mehrere Systeme friedlich koexistieren.  Die Firma MS untergräbt jedoch systematisch diese Möglichkeit.  Noch entscheidender ist aber:  beim "DAU-Marketing" dreht sich alles um den "dümmsten anzunehmenden User", und der fragt nicht nach "fairen Standards" sondern danach, wer im Hegemoniewettbewerb wohl siegen wird.  Der DAU sorgt dafür, daß auch dort, wo es eigentlich keine Monopole geben müsste, Monopole siegen.  Er sorgt dafür, daß dort, wo es eine Republik geben könnte, eine Diktatur entsteht.  Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Lemmings-Instinkt".  Das DAU-Marketing ist besonders auf die Förderung des Lemmings-Instinktes angelegt. <<<

[Lemming : Mäuseart; Lemmingsinstinkt : ihr Herdeninstinkt, der sie bei Wanderungen und unüberwindbaren Wasserhindernissen in den Massentod treibt]

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Sprachchauvinismus, ein nur negativ besetzter Begriff?

[Chauvinismus : übersteigerte, völkische Gesinnung (nach einer franz. Lustspielfigur)]

Mit diesem Vorwurf muß sich über kurz oder lang jeder Sprachwahrer auseinandersetzen. Gegner jeglicher Wahrungsbemühungen der deutschen Sprache benutzen dieses Wort mit Vorliebe. Multikulturalismus z.B ist für sie ein viel unbelasteteres Wort. Denn damit kann man vieles verkaufen, damit kann man nicht anecken. Es gibt keine  Assoziationen zur deutschen Vergangenheit. Sie können oder wollen nicht einsehen, daß gerade die Vergangenheitsbelastung des Deutschtums, die daraus resultierende Anfälligkeit der deutschen Sprache, der Kultur im Allgemeinen, einer anderen Vorgehensweise als die unserer Nachbarn bedarf. Eine gesunde Dosis von Sprachchauvinismus dürfte in unseren Verhältnissen sehr angemessen sein. Auch wenn die 'politische Korrektheit' dem zu widersprechen scheint.

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Sprachforum

- An- und Abmeldung in dem Diskussionsforum?

Vorab: Jeder muß (und kann) es für sich selbst machen. Es ist prosaisch einfach.

# Die Anmeldung.
    Sie möchten  in der Diskussionrunde zum Thema deutsche Sprache
                                         >>>logsys-de@ffii.org<<<
mitmachen? Dann einfach die Auskunftsseite dieses Forums anklicken und sich daselbst eintragen. An dieser Stelle finden Sie auch die (deutschsprachigen) notwendigen Informationen zum Forum.
Nach der Anmeldung bekommen Sie eine entsprechende Bestätigung und können Ihre Meinungen, Überzeugungen, Entdeckungen oder andere Beiträge mit Sprachbezug allen anderen Forumsteilnehmern mitteilen. Das Forum wird im Prinzip nicht moderiert, doch dies kann bei Bedarf geändert werden. Nämlich dann, wenn eine Diskussion auszuufern droht. Solche Fälle sind nämlich aus der Vergangenheit bekannt. Und ich hoffe wir und Sie haben daraus unsere Lehre gezogen.
Ihre Post ans Forum (an die Diskussionsliste, wie manche sagen) senden. Die Adresse:  logsys-de@ffii.org

## Die Abmeldung.
    Sie können sich natürlich jederzeit wieder aus der Liste (dem Forum) austragen lassen. Dafür besuchen Sie wieder die Auskunftsseite des Forums wo auch Abmeldung oder Paßwortänderung ermöglicht wird.

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Personen:

Klaus Däßler - Dipl.-Ing., Programmiersprachen
Rudolf Fischer - Aktiver des VWDS
Horst Hensel - Politik und Pädagogik, im VWDS/VDS-Vorstand
Hartmut Pilch - Aktiver im FFII, Sprachenspezialist
Johannes Rau - Bundespräsident
Wolf Schneider - Leiter der Hamburger Journalistenschule
Arthur Schopenhauer - Philosoph (1788 - 1860)
Otto Schily - Politiker (SPD)

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Letzte Änderung:  Mai 2007