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Die polnische Sprache


Inhaltsverzeichnis

1. Das Gesetz     (2000)

2. Der Rat für polnische Sprache    (2000)

3. Etwas zur Genese des Sprachengesetzes    (1999)

4. Die Fremdwörtersprache    (1999)

5. Aktivitäten rund ums Gesetz    (2000)

6. Eine Ernüchterung - Zum Diktat     (2003)




Veröffentlichung im "Dziennik Ustaw" Nr. 90 /Pos. 999   -     Seiten 4782 - 4784

                                                                              Gesetz
                                                                    vom 7. Oktober 1999

                                                               über die polnische Sprache


      Das polnische Parlament beschließt:

- in Anbetracht dessen, daß die polnische Sprache ein Grundelement der nationalen Identität und ein
    Kulturgut ist,
- in  Anbetracht der geschichtlichen Erfahrungen, als die Bekämpfung der Sprache durch Eroberer und
    Okkupanten ein Werkzeug der Entnationalisierung war,
- in Anerkennung der Notwendigkeit eines Schutzes der nationalen Identität im Globalisierungsprozeß,
- in Anerkennung, daß die polnische Kultur ein Bestandteil beim Bau des gemeinsamen kulturvielfältigen
    Europas ist und die Bewahrung dieser Kultur nur durch den Schutz der polnischen Sprache möglich ist,
- in Anerkennung dieses Schutzes als Pflicht für alle Organe und öffentliche Institutionen der Republik Polen
    und Schuldigkeit ihrer Bürger

      dieses Gesetz.



                                                                        Kapitel  1

                                                         Allgemeine  Vorschriften

    Art.1. Die Vorschriften dieses Gesetzes betreffen den Schutz der polnischen Sprache und ihren Gebrauch in der Öffentlichkeitsarbeit und im Rechtsverkehr auf dem Gebiet der Republik Polen.

    Art.2. Das Gesetz berührt nicht:

  1) Die Gesetzesvorschriften über das Verhältnis des Staates zu Kirchen und anderen
       Glaubensgemeinschaften, im Besonderen die Ausübung der Glaubenspraktiken betreffend,

  2) die Rechte nationaler Minderheiten und ethnischer Gruppen.

     Art.3.1. Der Schutz der polnischen Sprache beruht im Besonderen auf:

  1) der Sorge um den richtigen Gebrauch der Sprache und der Vervollkommnung der Sprachleistungs-
       fähigkeit ihrer Nutzer wie auch der Schaffung solcher Verhältnisse, die die richtige Entwicklung der
       Sprache als Werkzeug der zwischenmenschlichen Kommunikation ermöglichen,
  2) der Entgegenwirkung einer Vulgarisierung,
  3) der Verbreitung des Wissens um die Sprache und ihrer Rolle in der Kultur,
  4) der Verallgemeinung der Achtung für regionale Besonderheiten und Dialekte, wie auch auf
       dem Gegenwirken ihres Verlustes
  5) der Förderung der polnischen Sprache auf der Welt
  6) der Unterstützung der polnischen Sprachlehre im In- und Ausland.

                2. Dem Schutz der polnischen Sprache sind alle Staatsorgane, Institutionen und am öffentlichen
       Leben teilnehmende Organisationen verpflichtet.

                3. Der Minister für Erziehung und Bildung verfügt in Form einer Verordnung über die Art der
       Durchführung von Staatsexamen der polnischen Sprache für Ausländer die diese amtliche
       Bestätigung erlangen wollen.
 

     Art. 4.  Die polnische Sprache ist Amtssprache:

  1) der verfassungsmäßigen Staatsorgane,
  2) der kommunalen Selbstverwaltungsorgane und der ihnen unterstellten Institutionen im Bereich ihrer öffentlichen
       Aufgabenausführung,
  3) der territorialen öffentlichen Verwaltung,
  4) der für die Ausführung öffentlicher Aufgaben bestimmten Einrichtungen,
  5) der Organe, Institutionen und Ämter welche den unter Pkt.1 |  Pkt.3 unterstellt sind, zwecks Aufgabenrealisierung für diese
       Organe Berufene wie auch staatliche Organe oder Personen des öffentlichen Rechtes im Bereich der Ausführung
       öffentlicher Aufgaben,
  6) anderer als territorialer Selbstverwaltungsorgane wie auch der von gesellschaftlichen, beruflichen, genossenschaftlichen und
       anderen Verbänden die öffentliche Aufgaben wahrnehmen.


                                                      Kapitel 2

                                      Der Schutz der polnischen Sprache im öffentlichen Leben

        Art. 5.1. Subjekte die öffentliche Aufgaben auf dem Gebiet der Republik Polen ausführen müssen alle amtlichen
               Handlungen  in polnischer Sprache ausführen, es sei denn, daß detaillierte Vorschriften etwas anders vorsehen,

                    2.  Die Vorschrift des Abs. 1 wird auch für die Niederlegung von Erklärungen bei Organen, welche im Artikel 4
               genannt sind, entsprechend angewendet.

         Art. 6. Internationale Verträge der Republik Polen müssen eine polnische Sprachversion haben, die auch die
             Auslegungsgrundlage ist, es sei denn, daß detaillierte Vorschriften etwas anderes vorsehen.

         Art. 7. 1.  Die polnische Sprache wird im Rechtsverkehr auf dem Gebiet der Republik Polen zwischen polnischen
              Subjekten oder wenn eine der Seiten ein polnisches Subjekt ist, angewandt. Das betrifft im Besonderen die
             Namensgebung von  Waren und Dienstleistungen, Angeboten, Reklamen, Bedienungsanleitungen, die Informationen
             über Waren- und Dienstleistungseigenschaften, Garantiebedingungen, Fakturen, Rechnungen und Quittungen.

                     2.  Ein polnisches Subjekt ist nach der Auslegung des Gesetzes:
              1)  Eine natürliche Personen mit festem Wohnsitz in der Republik Polen,
              2)  eine juristische Person oder Organisationseinheit ohne  diesem Status
                 -- die auf dem Gebiet der Republik Polen wirkt.

                      3.  Der Gebrauch ausschließlich fremdsprachiger Bezeichnungen im Rechtsverkehr, mit Ausnahme  von
               Eigennamen, ist auf dem Gebiet der Republik Polen verboten.

                      4.  Fremdsprachige  Waren- und Dienstleistungsbeschreibungen sowie auch fremdsprachige Angebote
                und Reklame die in den Rechtsverkehr welcher in Abs. 1 beschrieben wurde, müssen  gleichzeitig eine
                polnische Sprachversion aufweisen.

                      5.  Die Kontrolle über die Ausführung dieser in Abs. 1,3, u.4 geschilderten Pflichten obliegt der
               Handelsinspektion und dem Amt zum Schutze der Konkurrenz und des Verbrauchers.

           Art. 8. 1.  Wenn ein Vertragspartner eines auf dem Gebiet Polens auszuführender Vertrag ein polnisches
                Subjekt ist, wird dieser Vertrag in polnischer Sprache geschrieben,

                     2.  Ein in polnischer Sprache niedergeschriebener Vertrag kann eine lub mehrere fremdsprachige Versionen
                 beinhalten,

                      3.  Für Verträge  welche die Abs. 1 und 2 verletzen, finden entsprechend Anwendung Art. 74 § 1, Satz 1 wie
                 auch Art. 74 § 2 des Zivilkodexes; ein fremdsprachig verfasster Vertrag stellt keine Glaubhaftmachung eines rechtlichen
                 Vorganges dar, von welchem im Art. 74 § 2 des Zivilkodexes die Rede ist.

            Art. 9.  Die polnische Sprache ist Lehr- und Prüfungssprache wie auch Sprache der Diplomarbeiten in öffentlichen und
                  nichtöffentlichen Schulen aller Typen, in staalichen und nichtstaatlichen höheren Schulen wie auch Bildungs-
                  und Erziehungsstätten, es sei denn daß detaillierte Vorschriften es anders bestimmen.

            Art. 10. 1. Aufschriften und Informationen in Ämtern und öffentlichen Einrichtungen, wie auch für den öffentlichen
                  Empfang bestimmte und in öffentlichen Verkehrsmitteln werden in polnischer Sprache erstellt,

                       2.  Die Namen und Texte in polnischer Sprache können durch andersprachige Übersetzungen, in Fällen  und
                  Grenzen bestimmt durch Verordnung des Ministers für Öffentlichkeitsverwaltung, begleitet werden.

             Art. 11. Die Vorschriften der Art. 5 - 7  wie auch Art. 9 und Art. 10  betreffen nicht:
                    1)  Eigennamen,
                    2)  fremdsprachige Zeitungen, Zeitschriften, Bücher sowie Rechnerprogramme mit Ausnahme derer Beschrei-
                          bungen und Anweisungen,
                    3)  lehr- und wissenschaftliche Tätigkeiten an Hochschulen, Schulen und Klassen mit fremden oder doppelten
                          Unterrichtssprachen, Lehrerfakultäte für Fremdsprachen wie auch die Lehre anderer Fächer, wenn das mit
                          den detaillierten Vorschriften vereinbar ist,
                    4)  wissenschaftliches und künstlerisches Schaffen,
                    5)  üblicherweise gebrauchte wissenschaftliche und technische Terminologie,
                    6)  Warenzeichen, Handelsnamen sowie Herkunftsbezeichnungen für Waren und Dienste.



 

                                                 Kapitel  3

                                          Der Rat für polnische Sprache und seine Kompetenzen

              Art. 12.  1. Als gutachterlich-beratende Einrichtung in Sachen Gebrauch der polnischen Sprache wirkt der Rat
                        für polnische Sprache, weiter der "Rat" genannt, als Problemkomitee in Auslegung des Art. 34 des Gesetzes vom
                        25. April 1997 über die Polnische Akademie der Wissenschaften (Dziennik Ustaw Nr. 75, Pos. 469 und Nr. 141
                        Pos. 943 sowie von 1999 Nr. 49 Pos. 484)

                          2.  Nicht seltener als zwei Jahre stellt der Rat dem Parlament und Senat einen Bericht im Sinne des Art. 3
                        über den Stand Sprachschutzes der polnischen Sprache vor.

               Art. 13.  1. Auf Antrag des Kulturministers, des Ministers für Bildung und Erziehung, des Präsidenten der Polnischen
                        Akademie der Wissenschaften oder auch aus eigener Initiative äußert der Rat im Wege eines Beschlusses seine
                        Meinung über den Gebrauch der polnischen Sprache in der Öffentlichkeitsarbeit und im Rechtsverkehr und
                         setzt die Regeln für die Orthographie und Interpunktion der polnischen Sprache fest.

                          2.  Wissenschaftliche Gesellschaften, Vereinigungen schaffender Künstler und Hochschulen können an den Rat
                         in Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Gebrauch der polnische Sprache herantreten.

                Art. 14. 1.  Jedes der Organe, von welchen die Rede in Art. 4 ist kann,  bei wesentlichen Zweifeln im Gebrauch der
                         polnischen Sprache im Zusammenhang mit Amtshandlungen, eine Meinung beim Rat einholen,

                           2.  Der Hersteller, Importeur wie auch der Verteiler einer Ware oder Dienstes für welche(n) der Name in
                         polnischer Sprache fehlt, kann an den Rat mit einem Antrag um Stellungsnahme zur entsprechenden
                         sprachlichen Form des Dienstes oder Ware herantreten.



 

                                                                                  Kapitel  4

                                                                      Strafrechtliche Vorschriften

                 Art. 15. 1.  Wer im Rechtsverkehr auf dem Gebiet der Republik Polen ausschließlich fremdsprachliche Benennungen
                           für Waren und Dienstleistungen, Angebote, Werbung, Bedienungsanleutungen, Waren- und Dienstleistungs-
                           beschreibungen, Garantiebedingungen, Fakturen, Rechnungen und Quittungen benutzt, dabei die polnische
                           Sprachversion ausläßt,
                                                                unterliegt einer Geldstrafe

                              2.  Bei Bestrafung für Zuwiderhandlung gegen die Vorschrift in Abs. 1 kann eine Entschädigung nicht höher
                            als 100.000 zl zu Gunsten des Fonds zur Unterstützung der Schaffenden, eingesetzt durch Art. 111 des Gesetzes
                            vom 4. Februar 1994 über Urheberrecht und verwandte Rechte (Dziennik Ustaw Nr. 24, Pos. 83 | Nr. 43,
                            Pos. 170 sowie aus 1997 Nr. 43, Pos. 272 | Nr. 88, Pos. 554)



 

                                                                                Kapitel  5

                                Änderungen der bestehenden Vorschriften und Endbestimmungen

                  Art. 16. 1.   In dem Gesetz vom 26. Januar 1984,  dem Pressegesetz ( Dziennik Ustaw Nr. 5 Pos. 24  von 1988,  Nr. 41
                                Pos. 324, von 1989 Nr. 34 Pos. 187, von 1990 Nr. 29 Pos. 173, von 1991 Nr. 100 Pos. 442, von 1996 Nr. 114
                                Pos. 542 sowie von 1997 Nr. 88 Pos. 554 | Nr.121 Pos.770) werden folgende  Änderungen eingeführt:
                                   1) In Art. 12 Abs. 1 in Pkt. 2  wird der der Punkt am Ende durch ein Komma ersetzt und der Pkt. 3
                                        mit folgendem Wortlaut hinzugefügt:
                                        "3) auf korrekte Sprache achten und den Gebrauch von Vulgarismen meiden.";
                                    2) in Art. 25 Abs.4 wird ein zweiter Satz folgenden Inhalts hinzugefügt:
                                         "Ist auch verpflichtet auf eine korrekte Sprache der Pressematerials zu achten und seiner
                                           Vulgarisierung entgegen zu wirken."

                   Art. 17. Im Gesetz vom 29. Dezember 1992 über das Radio- und Fernsehwesen (Dziennik Ustaw von 1993  Nr. 7
                                 Pos. 34, von 1995 Nr. 66 Pos. 335 | Nr.142 Pos. 701, von 1996 Nr. 108 Pos. 496 sowie von 1997 Nr. 88 Pos. 554
                                  | Nr.121 Pos.770) werden folgende Änderungen eingeführt:
                                  1)  in Art. 18 wird Abs. 5  folgenden Wortlauts hinzugefügt:
                                        "Die Ausstrahler achten auf eine korrekte Sprache ihrer Programme und gehen gegen ihre
                                          Vulgarisierung an.";
                                   2)  in Art. 21 Abs. 1 wird Pkt. 6a folgenden Wortlauts hinzugefügt:
                                         "6a)  Verbreitung des Wissens um die polnische Sprache.";

                   Art. 18.  Seine Gültigkeit verliert die Verordnung vom 30. November 1945 über die Staatssprache und der Sprache der
                                  Regierungs- und Selbstverwaltungen (Dziennik Ustaw Nr. 57, Pos. 324).

                   Art. 19. Dieses Gesetz tritt nach Ablauf von 6 Monaten ab Veröffentlichung in Kraft.
 

                                           Der Präsident der Republik Polen: A.Kwasniewski
 

Übersetzung ohne Garantie auf rechtliche Übereinstimmung: Karl Mosler
Glessen, im Februar 2000
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                                  Rat für polnische Sprache.   (Eine Kurzbeschreibung)

Der Rat, vormals nur ein Organ der Polnischen Akademie der Wissenschaften, wurde durch das Sprachengesetz als
Problemkomitee für die Auslegung jeglicher sprachlicher Fragen etabliert. Im Besonderen betriftt das:

1. Die Analyse der Sprache und deren Zustand, sowie Aussagen zur staatlichen Sprachpolitik.
2. Die Zusammenarbeit mit allen betroffenen Ministerien bei der Beurteilung der Sprachentwicklung und deren
    Untersuchung.
3. Die Verbreitung des Wissens um die polnische Sprache, ihrer Änderungen, um Normen und Gebrauchskriterien
    wie auch die Organisation von Diskussionsforen und wissenschaftlichen Konferenzen und die Nutzung der
    Presse, des Rundfunks, des Fernsehens und der Informationsnetze.
4. Die Beurteilung und Aussagen zum Thema Qualität und Bedürfnissen der Verlage im Bereich des Wissens
    um die polnische Sprache, der polnischen Sprachkultur und den Erhalt von Verlagsaktivitäten.
5. Die Entscheidungen bei Zweifeln  im Bereich der Grammatik, Aussprache, Orthographie und Interpunktion, aber
    auch der stilistischen Gestalt von Aussagen und die Suche nach Lösungen im Bereich der polnischen Sprache
    in verschiedenen Disziplinen der Wissenschaft und Technik, vorrangig der neuen Disziplinen.
6. Die Beurteilung des Gebrauches der polnischen Sprache in Veröffentlichungen und dem Rechtsverkehr,
    besonders in der Reklame, im Rundfunk, im Fernsehen und der Verwaltung.
7. Die Namenbeurteilung (d.h. ihrer grammatischen i orthographischen Form) die für neue Waren und
    Dienstleistungen vorgeschlagen werden.
8. Die besondere Fürsorge um die Sprachkultur der Lehre in Schulen; in dem die Analyse und die Beurteilung
    der Lehrprogramme.
9. Eine schriftliche Beurteilung des Zustandes der polnischen Sprache, vorbereitet und dem Parlament und dem
    Senat nicht seltener als jedes zweite Jahr vorgestellt.
10. Die Festlegung der Regeln für Orthographie und Interpunktion in der polnischen Sprache.

Als Angehörige des Rates werden Personen aus dem Kreis der Polnischen Akademie der Wissenschaften wie auch
Spezialisten aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen, wissenschaftlichen Vereinigungen und Sozialwissen-
schaftler. Zur Mitarbeit zugelassen sind auch Schriftsteller, Journalisten, Geistliche, Lehrer, Schauspieler,
Verleger und andere Kulturschaffende.

Die Organe des Rates sind:
 - Die allgemeine Versammlung der Rates
 - Das Ratspräsidium
 - Der Ratsvorsitzende

Die allgemeinen Versammlungen des Rates werden bei Bedarf einberufen, jedoch nicht seltener als zweimal
im Jahr.
Der Rat kann je nach Bedarf Arbeitsgemeinschaften ins Leben berufen.
 

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                      Bisherige Aktivitäten des Rates   (Auszug)

 - Vorbereitungsarbeiten für das Sprachengesetz
 - Mehrtägige Konferenzen unter dem Namen: "Wortkulturforum"
 - Herausgabe der "Verlautbarungen des Rates für polnische Sprache"
 

Einige Mitteilungen aus dem Protokoll der VI Sitzung des Rates

18.5.1999.  -  Mitglieder des Rates 1999-2002:  prof. dr hab. Irena Bajerowa, prof. dr hab. Jerzy Bralczyk,
prof. dr hab. Jan Doroszewski, prof. dr hab.Tadeusz Drewnowski, prof. dr hab. Antoni Furdal,
prof. dr hab. Stanislaw Gajda, prof. dr hab. Julian Kornhauser, prof. dr hab. Bogus³aw Kreja,
prof. dr hab. Marian Kuca³a, prof. dr hab. Zenon Leszczyñski, prof. dr hab. Andrzej Markowski,
prof. Danuta Michalowska, prof. dr hab. Jan Miodek, prof. dr hab. Jerzy Pelc, prof. dr hab. Walery Pisarek,
prof. dr hab. Edward Polañski, prof. dr hab. Kazimierz Polañski, czl. PAN, prof. dr hab. Jadwiga Puzynina,
prof. dr hab. Halina Satkiewicz, prof. dr hab. Janusz Tazbir, czl. rzecz. PAN,  Piotr Wojciechowski,
prof. dr hab. Jacek Wozniakowski (historia sztuki), Andrzej Ibis-Wróblewski,
prof. dr hab. Janusz Zakrzewski, czl. rzecz. PAN.
(PAN = Polska Akademia Nauk :: Polnische Akademie der Wissenschaften)

Es wurden zusätzliche Mitglieder des Rates gewählt, der Arbeitsbericht gehört, der Endbericht über den
Wettbewerb "Schönes Polnisch" besprochen.

Weiterhin gab es Informationen über den Stand der Arbeiten am "Manifest über den Zustand des Polnischen", die
Vorbereitungen zum III "Wortkulturforum", und über das Los der Sprachenschutzgesetzes.

Nach Diskussionen wurden die Vorschläge für neue Vornamen, die Namen der superschweren Elemente, einiger
Eigenschaftswörter, Beugungsformen und die Schreibweise mit Großbuchstaben für einen bestimmten Namen
akzeptiert.

Dann gab es noch Problemreferate über die Unkonsequenzen bei der Schreibung von Fremdnamen. Letztendlich
wurde die Fortsetzung der Arbeiten über die Vereinheitlichung der Schreibweise ausländischer geographischer
Namen beschlossen.

                                               *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *

Februar 2000
 

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                                                       Etwas zur Genese des Sprachengesetzes
                                           (In Anlehnung an die Arbeit von Walery Pisarek* und Jolanta Rokoszowa: "Der rechtliche Rahmen der Sorge um die Sprache")

Also zumindest in Polen gibt es das Phänomen "Sorge um die Sprache". Es war der Motor aller Bemühungen um die Sprache, in der ferneren Vergangenheit und auch jetzt. Charakteristisch, daß dies nicht im Rahmen irgendwelcher Vereine geschah sondern, daß die Sorge um die Sprache immer irgendwie "von oben" verordnet wurde. Die Anfänge dieser Aktivitäten reichen ins XVI. Jahrhundert, wo die polnische Sprache für die städtischen Kanzeleien festgelegt wurde. Konkurrierende Sprachen in den damaligen Ostgebieten Polens waren das Russische und Latein.

Etwas  zur "Sorge". Diese inspiriert einerseits die Schaffung positiver Sprachmuster, anderseits offenbart sie sich durch die Bennennung und Bekämpfung negativer Erscheinungen auf dem Gebiet der Sprache. Müßig dabei zu sagen, daß die negativen Erscheinungen als solche erst durch die Existenz  positiver Sprachmuster zu erkennen sind.
Positive Sprachmuster, also Vorbilder sind auch die Grundlage für die Gestaltung des Wertbegriffes für Elemente der Sprache. Die Bedrohung der Werte wiederum führt schon direkt zur Enstehung einer Abwehrreaktion, anders gesagt, es besteht die Notwendigkeit einer Werteverteidigung.
Die Sorge um die Sprache führte immer zu Normen, zu Regelungen, Vorschriften und Wörterbüchern. Geschichtlich gesehen reichen die Anfänge der Sprachregelungen in das schon angesprochene XVI. Jahrhundert. Die polnische Sprachgeschichte basiert da auf der Arbeit der damaligen Elite aber auch dem praktischen Wirken der Drucker bei der Erstellung von orthographischen und grammatischen Regeln. Bis hier dürfte die Geschichte der polnischen Sprache, die "Sorge" um ihre Korrektheit vergleichbar mit vielen anderen Sprachen sein.
Erst in der Neuzeit, in den Zeiten der 150-jährigen Unterdrückung und Teilung Polens, in den Zeiten in denen die Sprache ein patriotisches Element zum Überleben des polnischen Volkes wurde, zeichnen sich Unterschiede zu anderen Sprachen und ihrer jeweiligen Entwicklung ab.
Während sich die Sprache in den meisten anderen Ländern weiterhin eher ungezwungen oder zufällig entwickelte, wurde sie in Polen zum wichtigsten Element der Einigkeit eines zerschlagenen und degradierten Volkes. Dieses Merkmal sollte der polnischen Sprache bis ins XX. Jahrhundert erhalten bleiben und eins der Hauptmotive für später kommende gesetzliche Regelungen zu ihrem Erhalt und Sauberkeit werden.
Administrative Eingriffe in die Sprache, d.h. die Formulierung von Normen und Vorschriften, welche für die Allgemeinheit verpflichtend waren, wurden erst durch die Unabhängigkeit Polens im Jahre 1918 möglich. Es war ein patriotischer Kraftakt des Volkes der in den Zeiten zwischen den beiden Weltkriegen die Vereinheitlichung der Staatssprache, die Reform der Orthographie, die Terminologieerstellung und die Schaffung einer Bildungssprache schaffte.
Nach dem zweiten Weltkrieg, in den Zeiten der Volksrepublik, wurde diese Errungenschaft durch den sich verbreitenden, politisch motivierten "Neusprech" der Führung, den sie zur Kommunikation mit dem Volk heranzog, negativ beeinträchtigt. Diese totalitäre Sprache wurde von der "Elite", Schriftstellern, Presse- und Radiomitarbeitern als solche erkannt. Die Möglichkeit von Diskussionen zu diesem Thema, einer Abhilfe brachten erst die Jahre nach dem Ende der Volksrepublik, praktisch das letzte Jahrzehnt des XX. Jahrhunderts.

Die Bekämpfung negativer Tendenzen in der Sprachentwicklung, jetzt zusätzlich noch die umsichgreifende Manie zur Verwendung anglo-amerikanischer Wortfetzen wird eine besondere Aufgabe der Sprachwahrer. Es ist die logische Konsequenz der Würdigung der Sprache als Kulturgut höchsten Ranges. Der Wert jeder Sache, also auch der Sprache, entscheidet über die Notwendigkeit ihres Schutzes - so kann man dieses Prinzip menschlicher Aktivitäten umschreiben. Auch des rechtlichen Schutzes.
Der Rechtswissenschaftler könnte hier ein Problem sehen: Warum soll hier etwas geschützt werden? Man schützt etwas, das sich selbst überlassen verkommt oder degradiert wird. Der hauptsächliche Zweck des Rechts ist der Schutz eines Gutes. Die Sorge um etwas, was ein Gut darstellt, ist somit der erste Schritt für seinen Schutz und die Grundlage für eine rechtliche Lösung. Meistens auch die  einzige Möglichkeit für einen wirkungsvollen Schutz.
Dieser Weg einer rechtlichen Lösung für den Schutz eines Allgemeingutes wurde zuerst im Zusammenhang mit der Umwelt beschritten, und das nicht nur im beschränkten Sinne der natürlichen Umwelt sondern auch der im weiteren Sinne mit Elementen der Kultur und des Geistes.
So wie der rechtliche Umweltschutz seinen Ursprung in durch Laienbewegungen initiertem Naturschutz hatte, so ähnlich könnte man diese Vorgehensweise auch auf den Sprachenschutz anwenden.
Der Naturschutz wurde seinerzeits von Enthusiasten ins Leben berufen, damals, als sich das Bewußtsein über die Notwendigkeit des Naturerhalts durchsetzte. Also wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Natur betrifft - die Natur wurde zum Objekt des Gesetzes um durch den Naturschutz den Naturgesetzen möglichst freien Lauf zu lassen.
Dieser rechtliche Umweltschutz ist auch eine Erziehungsmaßnahme, er formt eine positive Einstellung zum geschützen Objekt. Weil doch keine Strafe ein Umweltvergehen wiedergutmachen kann. Hier also auch eine Analogie zur Sprachentwicklung?

Denn wenn der rechtliche Umweltschutz vorrangig nicht durch Strafen wirkt, wenn er erzieherisch ein gesellschaftliches Verständnis einer Pflicht dem geschützen Gut gegenüber hervorruft, dann findet ein solches Gesetz auch die gesellschaftliche Zustimmung.

Aus der Entwicklung der polnischen Sprache kann man viele, auch für die heutige Sprachen gültige Schlüsse ableiten. So war das XVII. Jahrhundert der Anfang einer langsamen aber steten Degradierung der Sprache. Verbunden war sie mit einem Verfall der Verlage, des Druckes, einer Verflachung des Schulwesens und dem Kulturverfall - alles für Jahrhunderte. Hervorgerufen durch eine fehlende, gesellschaftliche Sorge um die Sprache, und das im Sinne nichtvorhandener Vorbilder wie auch dem Nichtbemerken einer Bedrohung. Gleichzeitig verbreitete sich ein auch heute so bekannt anmutendes Phänomen: Jeder der Edelleute, dem mit der Schulbildung ein wenig Latein auf den Weg gegeben wurde, versuchte diese Brocken an den Mann zu bringen: Einsprenglungen lateinischer Wörter in die Umgangssprache wurden die Regel. Der Makkaronismus war geboren. Die polnische Sprache nahm damals viele neue Wörter an, konnte sie aber nicht assimilieren. Sie verlor ihre Bündigkeit, dem Merkmal innerlicher Konzentriertheit einer Sprache mit ausgebautem Bereich außerlexikonografischer semantischer Beziehungen - alles zugunsten einer zerstreuten, äußerlichen, fremden, zeitweise unverständlichen "Lexikalität".

Diese Entwicklung brachte auch die im vorhergehenden Jahrhundert gut entwickelte literarische Sprache zum Verfall, woraus man den Schluß ziehen kann, daß die Sprache der Literatur kein ewiges Gut ist. Sie muß sich in jeder historischen Periode von neuem aufbauen. Die gesellschaftliche Situation fiel in jener Zeit mit dem Fehlen jeglicher institutionalisierter Sorge um die Sprache zusammen. (Anders in Frankreich, wo gerade zu jener Zeit die Institution geschaffen wurde, die sich bis heute um die französische Sprache sorgt: Die Französische Akademie von Kardinal Richelieu, 1635.)

Und noch ein Beispiel zur Sprachentwicklung das die Frage: "Sorge oder Nichtsorge um die Sprache?" etwas beleuchten kann. Das Weißrussische, einst die Sprache des mächtigen Litauischen Großfürstentums,  verlor seine Bedeutung im XVIII. Jahrhundert, als sie durch die  mächtigeren Sprachen der angrenzenden Länder, auch als Amtsprache, ersetzt wurde. Sie überlebte nicht einmal als Umgangssprache, denn eine 1995 durchgeführte Volksabstimmung bestätigte das Russische. Die weißrussische Sprache ist also tot; eine Antwort auf die Frage ob man eine Sprache einfach ihrem Los überlassen kann. Sie nicht pflegen, keine Vorbilder schaffen, keiner institutionalen Sorge unterwerfen.

Gegenwärtig wird die Sorge um die Sprache hauptsächlich mit dem Kampf gegen negative Spracherscheinungen identifiziert. Das Bewußtsein der Gesellschaft nimmt das Bedürfnis der positiven Beeinflussung der Sprachentwicklung aufgrund abnehmender patriotischer Motive immer schwächer wahr. Es gibt keine direkte Bedrohung der Sprache, auch keine Daseinsbedrohung des Volkes durch fehlende Sprachpflege. Entgegengesetzt: Auch in Polen werden Begriffe wie "Volk", vielleicht auch "Muttersprache" manchmal eher etwas schamhaft behandelt - manchmal auch empfindet man sie als beengendes Korsett auf dem Weg in die Moderne.
Das kann sich ändern. Schon in den ersten Jahren der neuen Freiheit, als sich englischsprachige Werbung, Firmennamen u.s.w. explosionsartig verbreiteten, mehrten sich bedenkliche Stimmen. Auch seitens der englischsprachigen Besucher, die Polen und nicht einen zweifelhaften Vorort Chicagos mit schlechtem Englisch erleben wollten.

Im weiteren Verlauf dieser Überlegungen sollte der Standpunkt einer entschiedenen Sorge um die Sprache, inclusive eventueller rechtlicher Regelungen, sogar für den Fall fehlender, patriotischer Motive, vertreten werden.

Trotz Abschwächung der in ihrer Natur romantischen patriotischen Empfindungen, die in Polens Vergangenheit viele wundervolle Werke die Muttersprache betreffend, hervorgebracht haben, bestehen auch jetzt wesentliche Gründe zur Veranlassung von Schritten zum Schutz der polnischen Sprache. Denn: Die Sprache ist ein Kulturgut aber gleichzeitig auch eine wichtige wirtschafliche Begriffsform mit Auswirkungen auf das Lebensniveau ihrer Nutzer in Bereichen der Arbeitswelt, des Handels u.a.
Verfolgen wir einmal den Gedanken: Sprachenschutz ein Teil des Umweltschutzes? Auf den ersten Blick etwas unlogisch. Aber was ist Umweltschutz? "Umweltschutz bedeutet die Schaffung optimaler Lebensbedingungen für den Menschen, optimaler Entwicklungschancen. Einer nicht nur physischen Entwicklung, aber auch der psychischen und kulturellen. Ein so definiertes Ziel des Umweltschutzes beinhaltet also neben dem Schutz der für das biologische Leben notwendiger Bestandteile, auch solche  welche den psychischen und kulturellen Bedürfnissen des Menschens dienen".
Niemand hat bei der Benennung der Sprache als Kulturgut Hemmungen. Niemand stellt auch den rechtlichen Schutz von Kulturgütern in Frage. Erst die rechtlichen Regelungen um die Sprache scheinen Bedenken hervorzurufen. Doch wahrscheinlicher scheint es zu sein, daß der rechtliche Schutz der Sprache eine Notwendigkeit wird. Denn die Alternative dazu hieße Degradierung der Sprache. Einen geschichtlichen Prozeß der Degradierung hat die polnische Sprache schon hinter sich.
Die Vorbilder der Sprache, seit jeher das geschriebene Wort in der Literatur, der Presse, in wissenschaftlichen Arbeiten verlagern sich heutzutage in Massenkommunikationsmittel, so z.B. die Werbung. Diese übernehmen jetzt die reale Rolle der Sprachenvorbilder. Und die sind immer öfter negativ.
Noch in den ersten Nachkriegsjahren gab die Literatur den Ton an, sie war die effektive Norm. Heute ist die Wirkung der Medien vorherrschend und es besteht ein Mißverhältnis zwischen den Auswirkungen von Medien und normativem Wirken.

Die Autoren zum rechtlichen Schutz der Sprache wörtlich:
"Es scheint, daß man im Rechtssytem des Umweltschutzes eine Analogie  suchen kann. Vom sachlichen wie auch begrifflichen Standpunkt her ist das Rechtssystem zu einer Einordnung der Muttersprache als Teilelement des Umweltschutzes bereit.
Den Weg zur Verbreitung eines positiven Verhältnisses zum "Sorgeprogramm" könnte seine rechtliche Regulierung darstellen, deren Ziel der Schutz der Sprache als intellektuelles und Kulturgut samt seinen ausgearbeiteten und bestehenden Normen im Verhältnis zur Muttersprache wie auch der Umwelt ist. Diese rechtliche Regulierung sollte sich auf einem positiven Rechtsempfinden stützen, welches nicht auf  (zu umgehende) Strafen und Sanktionen eingestellt ist -  und das obwohl diese Auffassung in unserer Gesellschaft ohne Tradition ist. Die Diskussion über die rechtliche Sprachregulierung  könnte ein Ausdruck einer reifen gesellschaftlichen Einstellung zum Recht überhaupt sein. Und man muß nicht noch einmal betonen, daß ein rechtliches Schutzprogramm eines Gutes keine Einmischung in die Regeln seiner Funktionsweise sein muß, es kann für Änderungen im Bereich dieses Gutes offen bleiben. Seine Aufgabe sollte sich auf eine Eingriffsmöglichkeit im Falle von negativen Entwicklungen beschränken."

Weitere Überlegungen betreffen das Sprachensterben. C. Moseley sagte im mailändischen "L'Europe" vom 18. Januar 1995, daß im XXI. Jahrhundert bis zu 3000 Sprachen aussterben werden und verglich das mit dem Gattungssterben von Tier und Pflanzen in der Natur. Eine der aussterbenden Sprachen könnte die polnische sein. Was bedeutet das? Eigentlich nicht viel: die Welt wird weiterhin bestehen so wie sie auch schon vor der Entwicklung der polnischen Sprache im XI. oder XII. Jahrhundert bestand. Also es ist wahr, daß die Welt bestehen bleibt aber auch, daß sie ärmer wird um all das, was wir ihr (und uns) polnisch zu sagen hätten.
Der Schutz der polnischen Sprache bleibt ein Element der kulturellen und traditionellen europäischen Kultur. Und die polnische Sprache ist ein polnisches Kulturgut, entstanden im Laufe vieler Generationen. Dieses betätigt auch die Auffassung der nationalen Identität durch die Polen selbst: 90% stufen die Sprache als höchstes Gut, welches Polen und die Polen zusammenhält ein. Um 5% mehr als es die "gemeinsame Geschichte", um 12% mehr als es die Heimat und um 30% mehr als es Religion und Gemeinsamkeit des jetzigen und künftigen Schicksals tun.
Nur ist die Sprache ein besonderes Kulturgut, ihr passiver Schutz genügt nicht. Sprachenschutz bedeutet auch die Gewährleistung der Möglichkeit einer Sprachentwicklung, was wiederum bedeutet, daß die Sprache in allen Sphären des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und staatlichen Lebens Anwendung finden kann. Wohl deswegen gibt es in Ländern unseres Zivilisationskreises womöglich kein einziges, in dem Sprachangelegenheiten nicht gesetzlich geregelt sind. Das betrifft gewöhnlich die Staatssprache, aber auch die Schulsprache, die Gerichts- oder Amtssprache sind oft einbezogen. Und eine interessante Bemerkung: In vielen Nachschlagewerken ist die Information über die Staatssprache vorrangig behandelt, Informationen über die Umgangssprache, die Sprachen von Bevölkerungsgruppen werden oft garnicht geboten.
Der Rang einer Sprache steigt mit ihrer Ernennung zur Staatssprache und das wiederum privilegiert auch die Bürger, deren Muttersprache sie ist. Hier können also Konflikte zwischen den Sprechern von Regionalsprachen und Amtssprache entstehen. Dem sollte durch eine entsprechende Gesetzgebung vorgebeugt werden. (Mehr dazu : Konvention über den Schutz von Minderheiten und Europäische Karte der Regional- und Minderheitssprachen)
Die Gesetzgebung einzelner Länder zeigt unterschiedliche Einstellungen gegenüber den eigenen Staatssprachen. Und es ist schwierig die dafür verantwortlichen Beweggründe aufzuzeigen. Einen  stärkeren Schutz gewähren die  Gesetze gewöhnlich jenen (Staats-)Sprachen, die einer Gefährdung in Form von nachlassender internationaler Bedeutung oder einem Rückgang als Kommunikationsmittel im eigenen Land unterworfen sind. Doch rechtlicher Schutz einer Sprache bedeutet keinen automatischen Erfolg. Das kann man z.B. von der irischen Sprache sagen - während die hebräische Sprache, ab 1948 Staatssprache in Israel, sich erfolgreich behauptet und entwickelt und für immer mehr Bürger die erste Sprache ist. Ähnlich positiv kann die Situation in Norwegen bewertet werden.
Fast scheint es so, als wäre der gesetzliche Sprachenschutz eine vorrangige Maßnahme in Ländern die erst seit kurzem ihre Souveränität erlangt haben. Dagegen spricht das Beispiel Weißrußland - dafür aber Maßnahmen in Litauen, Estland und der Slowakei. Doch gesetzliche Maßnahmen können auch Proteste der Opposition hervorrufen, so geschehen in der Slowakei, wo die Gesetzgebung sich vorzugsweise gegen amerikanische und tschechische Einsprengsel wendet.
Das Vorbild im Sprachenschutz ist zweifelsohne die französische Gesetzgebung in der die Sprache "ein grundlegender Teil der Identität und des Erbes Frankreichs" ist. Die französischen Gesetze von 1975 und 1994 wurden nicht nur vom Präsidenten unterschrieben, sondern auch vom Ministerpräsidenten und den entsprechenden Ministern. Das Parlament des kanadischen Quebec hat sich 1977 für eine Karte der französischen Sprache (Charte de la langue francais) entschieden aufgrund welcher das Amt für franzözische Sprache und der Rat für französische Sprache ins Leben berufen wurden.
In der österreichischen Verfassung ist die deutsche Sprache als Staatssprache deklariert, anders als in Deutschland oder Liechtenstein. Im deutschen Grundgesetz kommt "die Sprache" nur einmal vor:  nämlich im Art. 3 wo es um die Bevorzugung lub Benachteiligung einzelner Bürger geht. Die Präambel spricht vom "Deutschen Volk", an anderen Stellen treten "Deutsche" in Erscheinung. Also alles keine Festlegungen im Sinne der besprochenen Maßnahmen in anderen Ländern.

Im wiedererstandenen Polen der zwanziger Jahre war das Gesetz  zur Amtssprache vom 31.7.1924,  welches die polnische Sprache als Staatssprache einsetzte, der erste Meilenstein zur ihrer Festigung. Es folgten weitere regulierende Vorschriften bis in die neueste Zeit.
Zwei davon verdienen im Hinblick auf eine endgültige, gesetzliche Regelung besondere Aufmerksamkeit:
-  ein Rundschreiben des Ministerrates, welches allen Regierungsverwaltungsmitarbeitern bei der Redigierung von amtlichen Schreiben die Pflicht des Gebrauches einer korrekten Sprache nahe legt,
-  und die Vorschriften zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs von 1993. Diese Vorschriften zum Schutz der polnischsprechenden Verbraucher schützt auch die polnische Sprache in einem wichtigen Teil des öffentlichen Lebens: dem Handel, wie auch Gewerbe und der damit verbundenen Reklame.

Für den Rechtszustand in Sachen Sprache vor der angestrebten gesetzlichen Regelung kann man folgende Fehlzustände präzisieren:
1. Die Bestätigung der polnischen Sprache als Staatssprache
2. Die Sicherstellung des Gebrauches der polnischen Sprache allerorts in Polen
3. Die Abstellung der Verdrängungsvorgänge der polnischen Sprache von Schildern, Reklamen und Hinweistafeln
4. Die Einstufung einer fehlerfreien und verständlichen polnischen Sprache als Pflichtvoraussetzung für jeden Mitarbeiter im staatlichen Dienst
5. Die Berufung von für die Sprache verantwortlichen Instititionen
6. Die Prozedur zur Erstellung einer verbindlichen Orthographie
 
 

*)  Prof.Dr.hab. Walery Pisarek - Sprach- und Pressewissenschaften, Vorsitzender des Rates für Polnische Sprache
 
 

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        Die Fremdwörtersprache (cudzoziemszczyzna)
         (Eine Streitschrift von Miroslaw Nalezinski - http://www.mirnal.neostrada.pl/cudzo-n.html
 

      Im Zusammenhang mit den rechtlichen Änderungen im Bereich der allzu aufdringlich eingeführten Fremdwörtersprache, möchte ich hier anzeigen, daß ich das polnische Rechtssystem in diesem Bereich nicht mehr für zuständig betrachten kann. Denn wie anders können in den Medien solche z.B. Wörter funktionieren, Animals anstatt Tiere, Mrozek by night - Mrozek noca (nachts), Dzial Controllingu - Dzial Kontroli (Kontrollabteilung), e-mail - e-poczta, layout - uklad(Satzspiegel), leasing - dzierzawca (Mieter), service - serwis, Teleexpress - Teleekspres. Das Bauwesen ist seit Jahrhunderten ein Begriff, aber architektonisches design und developerzy sind erst seit kurzem da. Ein ganzes Jahrhundert wurden Autos verkauft, aber erst seit einigen Jahren tun das die dealer. Früher organisierten die Filmleute eine Kandidatenschau oder führten eine Anwerbungsaktion durch, jetzt gehen die zukünftigen Schauspielerinnen zum casting. Niemand möchte etwas beobachten oder gar überwachen, da gibt es nur das monitoring.
    Ich schlage vor mit  car's zu fahren, nicht aber mit gewöhnlichen Autos, denn mit car verbinden wir doch intuitiv den Anfang der (patriotischen Kibitka-) Masseneinwegkommunikation. (Vom Übersetzer: car = Zar, hier wird die Verbannung vieler Menschen nach Sibirien angesprochen). Im Rahmen der geschichtlichen Revanche könnten wir zwar mit dem car auf Vollgas reisen behauptend, daß  das Wort doch ...  ein  russisches ist (also auch slawischen Ursprungs).
    Fremde, vor allem englische Bezeichnungen nobilitieren, wecken Vertrauen, sind so neuzeitlich (und wir mit ihnen) so, daß ihre polnischen Entsprechungen richtig plump wirken. Nicht ein Kunde wurde Opfer von Betrügern nur deswegen, weil er sich durch die Eleganz fremder Wörter betören ließ.
    Bitte lesen sie die erste, beste Zeitung, sie wimmelt von Fremdwörtern. Dabei könnten die Journalisten die Kultur der Sprache am einfachsten und wirksamsten, mit bestem Erfolg propagieren. Das wäre auch ein patriotisches Werk.
     Trotzdem der Bereich des Patriotismus einer kontinuierlichen Schrumpfung unterliegt. Von Patrioten (des Krieges, der Aufstände) hört man heute noch in der Schule. Jemand, der es im täglichen Leben sein wollte, wird als Einfaltspinsel oder Heimgesuchter abgestempelt. Das Wort klingt archaisch wie "patefon" (Vom Übersetzer: erste Ausgabe vom Grammophon) - wer kennt das heute noch? Wer will heute noch Verkäufer werden wenn er doch diler oder sogar dealer werden kann?

     Das Parlament hat da ein Gesetz verabschiedet, der Rat für polnische Sprache wird dazu vielleicht einige rechte Erklärungen abgeben, aber der ganze Rest wird mit dem Auge zwinkern, so wie in der bekannten Werbung für ein Hopfenprodukt. (Vom Übersetzer: Weil Alkoholwerbung verboten, wird für alkoholfreies Bier geworben; mit einem Augenzwinkern).

     Deswegen schlage ich vor, daß der Rat für polnische Sprache ein komplexes Programm zum Schutze der polnischen Sprache verabschiedet (vorrangig für die Schulen und die Medien), wie auch die Prozedur zur Namensschaffung für neue Begriffe der Wissenschaft und Technik festlegt.

(Aus einem Schreiben an den Rat für polnische Sprache vom 24. September 1999)
 

(Ausgesucht, übersetzt und gekürzt von Karl Mosler)



Aktivitäten: z.B.ein Wörterwettbewerb in der Presse?
 

Sag's selbst in Polnisch

Ein Wettbewerb der Wochenzeitschrift POLITYKA,  Juni-August 2000


 

Die bekannte und sogar traditionsbehaftete Wochenzeitschrift POLITYKA hat ein Preisauschreiben gestartet, in dem alle volljährigen Bürger aufgerufen wurden, für im Umlauf befindliche Fremdwörter polnische Synonyme zu finden.

Immer wieder finde ich es verwunderlich, mit welcher Selbstverständlichkeit unsere Nachbarn ihrer Sprache zur Geltung verhelfen - oder es jedenfalls versuchen. Hier ist es eine Initiative der POLITYKA, die als Jury für ihr Unterfangen hochrangige Sprachwissenschaftler gewinnen  und sogar Preise für interessante Bennenungen bereitstellen konnte.

Das Preisausschreiben wird über zehn Wochen ausgetragen, zur Kür treten jeweils 10 durch die Redaktion vorgegebene Fremdwörter an. Daß auch in Polen Fremdwörter in alle Sparten des Lebens vorgedrungen sind, beweist die Themenauswahl der laufenden Wochen:
Gesundheit, Freizeit, Sport  -  Kultur, neue Strömungen  -  Rechner und das Netz  -  Werbung und Verkaufsstrategien  -  Finananzen und Unternehmensverwaltung  -  Technik, technische Dienstleistungen und Geräte  -  Unterhaltungsmusik  -  Mode und Kosmetik  -  Die Medien und Kino  -  Essen und Küche.
Gesucht werden interessante, unterhaltsame oder vergessene Wörter.

Die Resonanz der Leser ist groß, neben vielen, manchmal in die Hunderte gehender Vorschläge gibt es auch Briefe die sich mit dem Problem der Fremwortüberschwemmung selbst befassen. Dabei ist das Spektrum der Meinungen zu diesem Thema so breit wie in Deutschland: Von "dringend notwendig" über "da kann man schon wenig tun" bishin zu Feststellungen über die Notwendigkeit des Gebrauches dieser Fremdwörter.

Das aber sind nicht die Haupterkenntnisse dieser Aktion. Hauptsächlich wird hier noch einmal bewiesen, wieviel Möglichkeiten die heimische Sprache birgt.
Egal, ob es die deutsche oder polnische Sprache ist. Dieses Faktum sollten sich die Fremdwortbefürworter immer wieder vor Augen führen.
Das Preisauschreiben brachte vergessene Wörter zu Tage, aber auch überzeugende, neue Wörter.

So wurde für laptop sinngemäß nalonnik vorgeschlagen: etwas was man auf dem Schoß hat. Eindeutschungsvorschläge gehen in ähnlicher Richtung, z.B. Schoßrechner, eine Bezeichnung welche die Bedeutung sogar noch präziser wiedergibt  als das Original. Schößling käme dem polnischen nalonnik nahe, ist aber schon mit anderen Bedeutungen belegt.

Toaster, polnisch schon toster geschrieben, wurde mit vielen, auch humoristischen Namen bedacht: chlebopiek (Brotbäcker), palichleb (Brotbrenner), chrupiec (Knusperer), zweglacz (Verkohler), opalacz (Bräuner) u.ä. Zum Glück war auch jemand dabei, welcher einen schon vergessenen Namen ans Tageslicht brachte: opiekacz , in etwa: Umbacker.

Organizer als Begriff für ein elektronischen Terminplaner brachte neben vielen, vor allem spaßhaften Bezeichnungen, wiederum eine alte, wohlbekannte polnische Bezeichnung ins Spiel:  terminarz, genau das was das englische Vorbild bedeutet.

Moderator als madry tato (schlauer Papa) ist durch den sich ergänzenden Klang der Ausprache beider Wörter interessant.

Copywriter, unser Werbetexter, wurde wohl gemäß dem genossenen Image mit haslarz (Paroler), reklamator (Werber), sloganista (Schlagworter) übersetzt. Dabei gab es neben direkten Anspielungen auf die Namen vorrangiger polnischer Sprachwissenschaftler:  miodek,  pisarek, aber auch eine Probe, durch die Analyse dieses zweiten Namens die Übersetzung zu rechtfertigen: (pisa)rz = Schriftsteller + (rek)lama = Werbung. (Prof. Dr.hab. Walery Pisarek ist Jurymitglied dieses Wettbewerbs).
 

Es wäre müßig hier noch mehr der Beispiele zu bringen. Es sind ihrer schon jetzt so viele, daß die Redaktion überrascht war und schon im anfänglichen Stadium einen Riegel vorschieben mußte: Alle Erklärungen, Erläuterungen und Begründungen  sollten auf beigelegten Blättern vorgebracht werden!

Alles in Allem: Viel Interessantes und die provokative Frage: "Was tust Du, Deutschland, für Deine Sprache?"
 

Glessen, im Juli 2000

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Hier zum besprochenen Preisausschreiben noch eine persönliche Einschätzung des Vorsitzenden des Rates für polnische Sprache,
Prof. Dr.hab. Walery Pisarek:

Dieses Preisausschreiben sollte man mit einem leichten Augenzwinkern betrachten. In unserem Sprachengesetz geht es nicht um einzelne Wörter, sondern um die Anwesenheit der polnischen Sprache in allen Lebensbereichen. Den Menschen passionieren einzelne Wörter, also nutzen wir das zur Popularisierung ihres Wissens um die Sprache. Wir erklären dabei auch, daß nicht alles was fremd  auch schlecht ist und das eine besonnene Anleihe eines der wichtigsten Mittel zur Sprachbereicherung ist.

Glessen, im August 2000


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Folgenden, hier gekürzten und übersetzten Beitrag habe ich aus der Vitrine www.mirnal.neostrada.pl/dyktandn.htmla> von Miroslaw Nalezinski übernommen.

Ich wollte hier einerseits die Geschichte um eine doch im Prinzip lobenswerte Intiative, das polnische Sprachengesetz, weiterhin fortsetzen - anderseits aber auf ein Phänomen aufmerksam machen, wie wir es hier in Deutschland kaum kennen. Dem Leser möchte ich die Schlußfolgerungen überlassen.

Das Phänomen: Die Begeisterung und das Interesse für und an der Sprache in breiten Schichten der Bevölkerung, welche Verwunderung auslösen können. Bei uns.
Angesichts der Flut von Wettbewerben in Polen zum Thema Rechtschreibung, an denen sich immer wieder Tausende von Bewerbern beteiligen, Wettbewerben die durch Radio und Fernsehen propagiert werden, finde ich das öffentliche Interesse schon bemerkenswert. Das in einem Land, welches mit größeren als wir sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu tun hat.
Wäre etwas ähnliches bei uns vorstellbar? Ich glaube nicht daran. Hat die PISA-Studie für nachhaltige Aufregung, für konkrete Erneuerungen gesorgt? Haben unsere Medien - ich meine z.B. das öffentlich-rechtliche Fernsehen nennenswerte Anstrengungen zur Verbesserung der "Bildung" unternommen? Deren Angebote zielen doch vor allem in Richtung Konsum und eher flacher Unterhaltung. Womöglich übernehmen die sogar bald Sendungen wie "Big Brother" oder ähnlichem Blödsinn. Das scheint wahrscheinlicher.

Denn irgendein gezieltes Bildungsangebot in Sachen Sprache für die breiten Massen, wäre in den heutigen Verhältnissen wohl ein Reinfall - das meinten jedenfalls die Verantwortlichen oder präziser: deren Fadenzieher, für die eine breite, sprachlose Masse die bessere Lösung ist.



   Zum Diktat

Es ist eine orthographische Übung (auch Prüfung) bei der es um die Niederschrift eines vorgesprochenen Textes geht. Das Wort selbst stammt aus dem Lateinischen und wurde als dyktando ins Polnische aufgenommen.
Viele Polen erinnern sich womöglich nicht mehr an ihre Schulzeiten, als dieses Wort noch helle Aufregung auslöste. Doch zu meinen Zeiten (und vieler älterer Leser dieser Zeilen auch) war das Diktat die eigentlich Arbeit im Fach: polnische Sprache.

In den letzten Jahrzehnten wurde die Sprache um viele neue (Fremd)Wörter bereichert. Ein Teil erhielt typisch polnische Entsprechungen aber die Mehrzahl fand sich auf dem polnischen Sprachgrund als phonetische Niederschrift wieder. Leider erfüllen davon viele, schon polnisch genannte Wörter die Grundsätze/Anforderungen der polnischen Sprache nicht. Grundsätze könnte man Normen nennen. In vielen Bereichen des Lebens, der Produktion von Gütern, gibt es Normen und die werden in der Regel beachtet. Falls nicht, gibt es kein gebrauchsfähiges Produkt, sondern Ausschuß. Das betrifft viele Gebiete, die Medizin, das Recht und ...die Sprache. Auch wenn es etwas ungewöhnlich klingt.
Denn es wäre schon eine wundersame Ausnahme, wenn die Sprachkunde von "Ausschüssen" verschont bliebe. Und in den vergangenen Zeiten war die Kritik überhaupt, also auch an der Sprache, selten möglich. Deswegen mag die Sprache jetzt schon Pfusch enthalten.
Doch heute haben wir ein (nicht befolgtes!) Gesetz zum Schutz der polnischen Sprache! Wie viel hat es gekostet und wie hoch ist der Nutzen? Wahrscheinlich ging es damals um eine wirkliche Verbesserung unserer Sprache - aber der Effekt stellt wohl nur die Autoren dieses Gesetzes zufrieden. Wie bei einem Großteil guter, polnischer Ideen...
Dieses Sprachgremium ließ unlängst hören, daß für eine Änderung der polnischen Orthographie im nächsten Jahrzehnt kein Bedarf bestehe. Dabei ist unsere Sprache immer mehr verseucht und womöglich sieht das niemand. Und es könnte Jahre dauern bis die Mehrheit der Polen zur Überzeugung kommt: Da stimmt was nicht! Hegen wir die Hoffnung, daß es nicht zu spät sein wird....

Der Gebrauch von Fremdwörtern, ihre Billigung in Gesetzen und Diktaten ist eine gewöhnliche Profanation. Die Gesetzestexte sträuben sich noch vor der Expansion der fremden Launen, doch die Diktate....
Denn seit einigen Jahren können wir eine "Diktatplage" beobachten (im Radio u. Fernsehen,meine Bemerk. KM). Eigentlich wäre das nicht zu beanstanden. Leider herrscht dort nicht die polnische Sprache, herrschen gut verpolnischte Wörter, sondern Fremdwörter. Diese werden verbreitet - ganz gegen den Sinn des angesprochenen Gesetzes.
Ist das eine Posse, Hohn, ein Spaß? Kaum. Denn wer schaut heutzutage noch auf diese "klitzekleinen" Verfehlungen in der Logik der Sprache? Wenn doch gleichzeitig die uns umgebende Wirklichkeit immer weniger mit Logik und Vernunft zu tun hat? Die Plünderung Polens in jeglicher Form: Riesensummen bei Abfindungen, Parteienfilz und Vetternwirtschaft, Verheimlichung von Betrügereien und Betrügern, allgegenwärtige Korruption, Arbeitslosigkeit, fehlende Perspektiven für die Jugend und das Schwinden von in der Vergangenheit bekannten Werten wie Ehrlichkeit und Patriotismus.

Wen stört es dann schon, wenn die Polonisten dem Volk sogenannte polnische Wettspiele mit dem juzing (to use) von "Weltwörtern" verordnen? Wer ist dafür verantwortlich, daß ein Diktat in polnischer Sprache nichtpolnische Wörter enthält?
Diktate der letzten Zeit könnten schon für Irritation, Verwunderung und Aufregung sorgen, wenn man es mit Wörtern wie diesen, zu tun bekommt: beaujolais, biedermeier, boogie-woogie, businessman, chargé d'affaires, cheeseburger, chianti, cocker-spaniel, college'u, collie, come back, de facto, dossier, drink-bar, ex aequo, explicite, fair play, fifty-fifty, findesieclowy, five o'clock, foyer, frutti di mare, garden party, heavymetal, idée fixe, jive'a, Kentucky, keyboardzista, Nietzscheanski, offset, peugeot, quasi, randez-vous, rockandroll, savoir-vivre, scherzo, science fiction, scrabble'a, shimmy, soap opera, squash, Tennessee, thriller, tournée, vis-a-vis, Woody'ego. - Was mag das sein, fragt man sich da schon.

In der polnischen Sprache herrscht eine weitgehende Übereinstimmung der gesprochenen und geschriebenen Sprache (Aussprache und Schrift). Wenn wir aber ein Fremdwort gemäß den Regeln der jeweiligen Sprache aussprechen, können wir es nicht als polnisches Wort bezeichnen und in einem Diktat der polnischen Sprache verwenden. Denn Wörter, welche die polnische Sprachnorm nicht erfüllen sollten weder da noch im Amtspolnisch Anwendung finden.

Zum Ausklang noch eine Analogie(?): Meinten Sie nicht auch, daß das gefallene Wörtergut der polnischen Sprache Parallelen mit bestimmten Damen zuläßt? Früher schämte sich die Familie für ein Mitglied mit dieser Profession, heute ist sie gewöhnlich stolz, weil womöglich mit Geld, Ruhm und Öffentlichkeit in entsprechenden Filmen verbunden. So auch die brave Sprache. Sie ist nicht in der Mode, weil sie nichts versprechen oder vorgaukeln kann.

(2003)

Miroslaw Nalezinski

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